Problemfall Pensionskasse Tellco: Anschauungsbeispiel, warum es dringend scharfe Massnahmen gegen Profite in der 2. Säule braucht

Blog Daniel Lampart

Mit der Zwangsverwaltung der Pensionskasse Tellco pk hat die Zentralschweizer Stiftungsaufsicht einen längst fälligen ersten Schritt gemacht. Dieses Konstrukt in Schwyz hat schon seit Längerem Schlagzeilen gemacht, dass es auf Kosten der Versicherten hohe Gewinne erwirtschaftet. Sogar die NZZ, die den kommerziellen Anbietern näher steht als den versicherten Arbeitnehmenden, kritisiert heute die hohen Verwaltungskosten und die tiefe Verzinsung

Wenn ein Vorsorgeguthaben von 100'000 Franken 2 Prozent schlechter verzinst wird, bedeutet das über 5 Jahre einen Verlust von mehr als 10'000 Franken! Dabei sind die höheren Verwaltungskosten noch nicht eingerechnet. 

Die Tellco pk ist leider kein Einzelfall. Die 2. Säule ist eine Sozialversicherung. Sie ist – wie vieles in der Schweiz – dezentral organisiert in rund 1000 Pensionskassen und Vorsorgestiftungen. Eine Sozialversicherung darf keine Gewinne auf Kosten der Versicherten machen. Sie muss als Non-Profit-Struktur organisiert sein. Bei der AHV ist das im Grossen und Ganzen gewährleistet. In der 2. Säule gibt es hingegen grossen Handlungsbedarf, der in den letzten Jahren sogar noch grösser geworden ist. 

Heute sind rund drei von vier Arbeitnehmenden nicht mehr bei einer Pensionskasse, sondern bei einer Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung SGE versichert. Tellco pk gehört zu den grössten Anbietern nach den Stiftungen der grossen kommerziellen Versicherungen Swisslife, AXA oder Vita (Zurich). Vor etwas mehr als 10 Jahren war es erst jede zweite Arbeitnehmer:in, die bei einer SGE war. 

Traditionellerweise bilden die Betriebspensionskassen die 2. Säule. In diesen muss ein Stiftungsrat aus gewählten Vertreter:innen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmenden dafür sorgen, dass das Preis-Leistungsverhältnis der Kasse gut ist. Gewinn machen diese Kassen keine. Doch wenn der Stiftungsrat die Arbeit nicht gut macht, fliesst beispielsweise unnötig Geld an Vermögensverwalter, Rückversicherer oder andere ab. Die Arbeitnehmenden im Betrieb kontrollieren den Stiftungsrat und können ihn auswechseln. 

Bei den Sammelstiftungen wie Tellco pk funktioniert diese Kontrolle leider nicht, wie sie sollte, u.a. weil die Stiftungsrät:innen keinen und kaum mehr einen Bezug zu den Versicherten haben. Ein Beispiel: Stiftungsratspräsident und Arbeitnehmer-Vertreter war – bevor die Aufsicht einschritt – Peter Hofmann. Gemäss seinem LinkedIn-Profil ist er Vollzeit-Stiftungsrat und daneben selbständig erwerbend. Ein Bezug zu den versicherten Arbeitnehmenden ist weder in diesem Profil noch im Geschäftsbericht ersichtlich.

Die Aufsichtsdefizite in der 2. Säule sind ein grösseres Problem. Das zeigt auch ein Bericht im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen, der u.a. zeigt, dass die Verwaltungskosten in Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen signifikant höher sind. Und dass diese u.a. in Bereich der Rückversicherungen von externen (wahrscheinlich ihren Versicherungs-Mutterhäusern) unnötige Rückversicherungsleistungen einkaufen. 

Der Fall Tellco pk zeigt einmal mehr, dass es eine Offensive bei der Aufsicht in der 2. Säule braucht. Die 2. Säule ist eine Sozialversicherung. Mit unserer Altersvorsorge darf kein Gewinn gemacht werden. Die Pensionskassen und die Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen müssen von Leuten beaufsichtigt werden, die sich für die Interessen der Versicherten einsetzen und die ihr Handwerk verstehen. In verschiedenen Branchen wie im Gastgewerbe, im Ausbaugewerbe, bei Coiffeuren usw. gibt es sozialpartnerschaftliche Lösungen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis, welche direkt von den Branchensozialpartnern geführt und beaufsichtigt werden. Dieses Erfolgsmodell sollte ein Vorbild für alle Branchen sein. 

Top