Wenn die Produktivitätszahlen des Bundesamtes für Statistik BFS stimmen würden, ginge es mit der Schweizer Wirtschaft bergab: In 30 von 62 Branchen ist die Arbeitsproduktivität im 10-Jahresmittel gesunken. Konkret: Die Arbeitnehmenden im Tiefbau, in der Luftfahrt, im Landverkehr, in der Post- und Kurierbranche, in Architekturbüros oder im Gastgewerbe produzierten 2015 bis 2024 weniger als in den Jahren 2005 bis 2014. Dass die Arbeitsproduktivität in den letzten 10 Jahren im Mittel dennoch um 1.4 Prozent pro Jahr gestiegen ist, ist in der Statistik zu einem sehr grossen Teil auf die Pharma zurückzuführen, die rund drei Viertel des Produktivitätswachstums beigetragen hat.
Diese Produktivitätsschwäche widerspricht nicht nur der Wahrnehmung der Arbeitnehmenden in den betroffenen Branchen, sondern auch den Gesetzmässigkeiten des Kapitalismus, der die Firmen zwingt, produktiver zur werden. Sie dürfte zu einem beträchtlichen Teil statistische Gründe haben.
Natürlich sind in den letzten Jahren auch viele prekäre, weniger produktive Jobs entstanden. So z.B. im Bereich der Kurierdienste und der Paketzustellung. Diese sind nur überlebensfähig, weil es leider legal ist, tiefe Löhne zu zahlen. Wenn es faire, gute Mindestlöhne gäbe, würde die Situation anders ausschauen.
Die Post hat in den letzten 25 Jahren sehr stark rationalisiert. Das zeigen die beiden Bilder zur Briefsortierung im Jahr 2002 bzw. 2021 unten. Gleichzeitig verkehren heute viele Food-Kuriere mit teilweise klapprigen Velos oder Elektroroller durch die Städte und Agglomerationen.

