Das Leben wird teurer. So lagen die Preise im September im Durchschnitt ein Prozent höher als im Vorjahr. Haupttreiber der Teuerung sind die Energiepreise. Sie sind für 0.6 Prozentpunkte des Preisanstiegs verantwortlich (siehe Grafik). Der Konflikt zwischen den USA und Iran hat die Preise für Rohöl in die Höhe schnellen lassen. Nach wie vor verlässt wegen der Blockade in der Strasse von Hormus, aber auch wegen Angriffen auf die Förderinfrastruktur weniger Öl die Golfregion als vor dem Krieg.
Dabei dürfte es vorerst bleiben. Aktuelle Prognosen rechnen nicht vor Anfang nächsten Jahres mit einem niedrigeren Erdölpreis. Die höheren Energiepreise schmälern die Kaufkraft bereits jetzt erheblich. Besonders stark betroffen sind Arbeitnehmende mit Dieselauto. Sie zahlen 25 Franken mehr pro Tankfüllung als Anfang Jahr.
Nicht nur Erdöl
Die Teuerung wird aber nicht nur vom Erdöl getrieben. Wie die Grafik zeigt, steigen auch die Mieten und die Preise für Dienstleistungen (u. a. Banken, Versicherungen, Telekommunikation, Gastgewerbe oder Coiffeure). Immerhin sind Lebensmittel und viele andere Waren (u. a. Kleidung, Möbel) günstiger geworden. Eine stärkere Teuerung ist uns dadurch vorerst erspart geblieben.
Dabei wird es aber nicht bleiben. Die Preise werden weiter anziehen. Die Erdölpreise verursachen bei den Unternehmen Kosten, die sie nach und nach an die Kundinnen und Kunden weitergeben. Bis Anfang 2027 könnte die Teuerung deshalb auf 1,4 Prozent ansteigen. Damit aber nicht genug: Ab 2027 werden auch die höheren Krankenkassenprämien fällig. Im Durchschnitt steigen sie für Erwachsene um 274 Franken. Ein durchschnittlicher Haushalt hat damit erneut 0,3 Prozent weniger zum Leben.
Teuerung ausgleichen
Um die Kaufkraft zu erhalten, müssen die Löhne der Arbeitnehmenden im gleichen Ausmass wie die Preise steigen. Heute ist es ein Prozent mehr Lohn im Vergleich zum Vorjahr. Steigen die Löhne weniger, können sich die Arbeitnehmenden mit ihrem Lohn weniger leisten. Die Arbeitgeber senken dann die Löhne. Die Arbeitgeber dürfen den Teuerungsausgleich deshalb nicht länger in Frage stellen. Er muss für alle Beschäftigten gelten. Es braucht aber auch darüber hinaus mehr Lohn, damit die Kaufkraft trotz Preisanstieg und Prämienschub endlich wieder steigt.
Dieser Artikel erschien zunächst in der Zeitung “work”.
