Der Franken hat sich in den letzten Monaten deutlich aufgewertet. Mittlerweile liegt der von der Schweizerischen Nationalbank SNB berechnete reale Aussenwert bei über 120. Das gab es in den letzten 50 Jahren nur im Sommer 2010, als der Frankenkurs völlig ausser Kontrolle war. Die durch den Irankrieg gestiegenen Unsicherheiten erhöhen den Aufwertungsdruck. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB erwartet von der SNB, dass sie eine aktive Geldpolitik gegen Auf- und Überbewertung des Frankens betreibt. Die heutige Ankündigung, dass die SNB einer «raschen und übermässigen Aufwertung» entgegenwirkt, ist ungenügend. Denn sie bedeutet, dass die SNB eine weitere Aufwertung zulassen wird.
Dass der Franken stark überbewertet ist, zeigt u.a. die zunehmend angespannte Situation in Teilen der Industrie. In den letzten Monaten gab es deutlich mehr Firmenschliessungen und Massenentlassungen. Der Schweizer Franken – unsere eigene Währung – wird immer mehr zum Nachteil für unsere eigene Wirtschaft. Die Export- und Industriefirmen äussern sich besorgt. Umfragen zeigen, dass der überbewertete Franken für eine grosse Mehrheit von ihnen Problem ist. Das ausgerechnet in einer Situation, in der sich grosse Länder wie die USA verstärkt abschotten bzw. wie China den eigenen Firmen mit Subventionen einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Der Franken ist unsere eigene Währung. Sie muss uns nützen und nicht schaden. Der SGB erwartet von der SNB, dass sie sich aktiv gegen die Auf- und Überbewertung des Frankens engagiert. Das beginnt mit einer klaren Kommunikation, dass der Franken stark überbewertet ist und dem Gesamtinteresse des Landes zuwiderläuft – plus die Ankündigung, diese falsche Wechselkursentwicklung mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten zu bekämpfen. Nicht nur mit Deviseninterventionen, sondern wenn nötig auch mit Negativzinsen und weiteren Instrumenten. Die SNB hat das Monopol beim Franken. Das hat den Vorteil, dass bereits eine klare Kommunikation grosse Wirkung entfaltet. In der Vergangenheit hat die SNB die geldpolitischen Rahmenbedingungen damit erfolgreich beeinflusst.

