In der der 2. Säule gibt es eine beunruhigende Tendenz: weg von einer Sozialversicherung in Richtung einer Fondslösung. Das ist eines der Hauptergebnisse der heute veröffentlichten Pensionskassenstudie der ZKB. Erstmals bezogen mehr neu Pensionierte das Kapital. Die Guthaben der aktiven Berufstätigen werden mehrheitlich gut verzinst, während es bei den Renten und den Umwandlungssätzen nicht vorwärts geht.
Der Zweck der 2. Säule ist, die «Weiterführung der gewohnten Lebensweise» über eine kollektive Absicherung zu ermöglichen. Die jüngere Entwicklung wird dem nicht mehr gerecht. In der 2. Säule braucht es wieder Rentenverbesserungen (höhere Umwandlungsätze, Rentenerhöhungen u.a.). Es braucht eine klare und standardisierte Information der Versicherten über die Leistungen, die Leistungsparameter und die Kosten. Zudem muss das Preis-Leistungsverhältnis verbessert werden. Handlungsbedarf gibt es insbesondere bei den Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen von kommerziellen Anbietern.
Eine gut geführte kollektive Altersvorsorge ist einer individuellen Absicherung in Bezug auf die Leistungen überlegen. Der hohe Anteil an Kapitalbezügen ist demzufolge ein Alarmsignal. Wir beobachten, dass verschiedene Banken und Vorsorgeberater den Versicherten aktiv zum Kapitalbezug raten. Die ZKB – eine Bank, die mit Privatkunden Geschäfte macht – behauptet hingegen, dass die tiefen Umwandlungssätze beim Kapitalbezug keine Rolle spielen. Gleichzeitig kennt die Mehrheit der Versicherten den Umwandlungssatz gemäss Umfrage gar nicht.
Männer beziehen im Mittel ein Kapital von rund 200'000 Franken, Frauen rund 80'000 Franken. Damit kommt man nicht weit. Sozialpolitisch wirft das entsprechende Fragen auf.
Das Potenzial ist vorhanden, die Leistungen in der 2. Säule zu verbessern. Das zeigt auch die Pensionskassen-Studie. So liegt die erwartete Rendite bei drei Prozent; die Sollrendite aber nur bei zwei Prozent.

