Migration ist Normalität. Sie ist gelebter Alltag und der Motor der Schweiz. Dass Menschen Grenzen überschreiten, um hier zu leben und zu arbeiten, ist keine Krise – es ist die Schweizer Realität und Teil der Erfolgsgeschichte dieses Landes. Doch genau diese gelebte Normalität ist der SVP ein Dorn im Auge.
Die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» tarnt sich als «Nachhaltigkeitsinitiative», ist in Wahrheit jedoch ein frontaler Angriff auf die Rechte, die Würde und die Existenz von Arbeitnehmenden und insbesondere der Migrant:innen. Sie greift gezielt Menschen an, die dieses Land tagtäglich mitaufbauen und zum Erfolgsmodell Schweiz beitragen. Bei einer Annahme müssten bereits ab 9,5 Millionen Einwohner:innen restriktive Begrenzungsmassnahmen im Asylbereich und bei der Familienzusammenführung greifen. Da diese Massnahmen vor allem Aufenthalte ab zwölf Monaten betreffen, würden Migrant:innen zwar weiterhin in die Schweiz kommen, jedoch unter den Bedingungen eines neuen, de facto rückwärtsgewandten «Saisonnierstatuts». Dies bedeutet für die Betroffenen ein Leben in permanenter Unsicherheit, eine extreme Abhängigkeit von Arbeitgebern sowie ein drastisch erhöhtes Risiko für Ausbeutung, Lohndumping und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Das schadet uns allen.
Besonders drastisch sind die Auswirkungen auf das Fundament des familiären Zusammenlebens. Da 51 % aller Migrant:innen aus familiären Gründen einwandern, trifft die geplante Abschaffung des Familiennachzugs und die Kündigung internationaler Abkommen das Recht auf Familie im Kern. Eine solche Politik droht Familien gewaltsam auseinanderzureissen und erinnert an die dunkelsten Zeiten des Saisonnierstatuts, als Kinder von ihren Vätern und Müttern in Wohnungen versteckt werden mussten und als «Schrankkinder» ohne Zugang zu Schule und Gesellschaft aufwuchsen.
Die Initiative macht Migration zum Sündenbock, um vom eigenen politischen Versagen abzulenken. Wohnungsnot, Lohndruck und überlastete Züge sind nicht die Schuld der Menschen, die zu uns kommen. Sie sind das Resultat davon, dass die bürgerliche Politik sich seit Jahren weigert, in bezahlbaren Wohnraum, den Lohnschutz und unsere Infrastruktur zu investieren. Die SVP bekämpft die Normalität der Migration, um von diesen strukturellen Problemen abzulenken.
Die Initiative trennt und spaltet Arbeitnehmende nach ihrer Herkunft, was letztlich die gesamte kollektive Interessenvertretung schwächt und die Löhne, Renten sowie Arbeitsplätze aller Menschen in der Schweiz massiv unter Druck setzt.
Die Gewerkschaften halten dieser Ausgrenzung und Xenophobie eine klare Vision entgegen: eine soziale, feministische, solidarische Migrations- und Asylpolitik, die Grundrechte unabhängig vom Aufenthaltsstatus garantiert und soziale, wirtschaftliche und politische Teilhabe fördert.
Wir fordern echte Lösungen statt Spaltung: Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, konsequente Kontrollen gegen Lohndumping, die Durchsetzung von Gesamtarbeitsverträgen und gleiche Rechte sowie Schutz für alle Arbeitnehmenden.
Gewerkschaftsmitglieder sind jetzt gefordert, in den Betrieben, im Freundeskreis, in Vereinen aufzuklären, jeder Diskriminierung aktiv zu widersprechen und am 14. Juni ein klares, solidarisches NEIN in die Urne zu legen.

