Schwanger? Selber schuld!

  • Gleichstellung von Mann und Frau
Artikel
Verfasst durch Marco Kistler

NEIN zur Initiative „Abtreibung ist Privatsache“

Wer schwanger ist, ist selber schuld. Und wer selber schuld ist, soll auch selber bezahlen. Mit diesem Argument kämpfen ultrakonservative Eigenverantwortungsfanatiker im Stil der amerikanischen christlichen Rechten und der „Tea-Party“ für eine Streichung der Abtreibung aus der Grundversicherung der Krankenkasse.

Dabei geht es, neben der moralisch-religiösen Forderung, auch um zwei andere Ziele. Einerseits sollen dem gesellschaftlichen Fortschritt und der Gleichberechtigung von Mann und Frau Steine in den Weg gelegt werden. Andererseits geht es darum, die Entsolidarisierung auch im Gesundheitsbereich voranzutreiben.

Die Eigenverantwortungs-Ideologie der Initiative macht in ihrer Argumentation keineswegs bei der Abtreibung halt. Warum soll die Gesellschaft denn für Geburten zahlen? Wer schwanger ist, ist ja selber schuld. Warum soll die Grundversicherung Massnahmen für die einige Jahre später dickgewordenen Kinder zahlen? Die haben ja alle nur zu viel gefressen, selber schuld. Und, wenn die dicken Kinder später mal ohne Job dastehen, warum soll es eigentlich eine Arbeitslosenversicherung geben? Wer arbeitslos wird, war wohl zu faul. Das ist doch Privatsache, sollen die doch selber schauen, wie sie über die Runden kommen.

Ganz grundsätzlich geht es darum, dem Menschen einzuhämmern, das an seinem Schicksal immer einzig und alleine er selber schuld sei. Für die Gewinner ist das toll, für die Verlierer ist es verheerend. Die Eigenverantwortungs-Ideologie verlangt eine selbstzerstörerische Scham von allen, die „selber schuld“ sind. Das betrifft ungewollt Schwangere ebenso wie Arbeitslose. Das ist unmenschlich und gilt es zu bekämpfen.

 „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“, sagen die Vordenker der Eigenverantwortungs-Ideologie. Klar, man kann sein Glück selber schmieden. Aber man braucht dazu mindestens einen Hammer, einen Amboss, die Rohstoffe und die entsprechenden Schmiedekenntnisse. Wer, wie die grössten Prediger der Eigenverantwortung, gigantische, vollautomatisierte Schmiedewerke besitzt, hat gut reden. Setzen wir die Solidarität an erste Stelle und nicht den urzeitlichen Kampf aller gegen alle. Verteidigen wir eine Grundversicherung die jenen hilft, die medizinische Hilfe benötigen. Und sagen wir damit am 9. Februar Nein zur Initiative „Abtreibung ist Privatsache“.

Zuständig beim SGB

Regula Bühlmann

Zentralsekretärin

031 377 01 12

regula.buehlmann(at)sgb.ch
Regula Bühlmann
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