Die grossen Unterschiede bei der unerklärten Lohndifferenz in verschiedenen Branchen bestätigen die Notwendigkeit, das Gleichstellungsgesetz zu stärken. Lohnanalysen müssen endlich für alle Unternehmen obligatorisch werden und regelmässig wiederholt werden. Gesetzesbrüche müssen mit Sanktionen beantwortet werden. Der SGB fordert zudem eine Aufwertung der Löhne in Berufen, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden, sowie wirksame Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Die Löhne der Frauen liegen in der Schweiz noch immer deutlich unter jenen der Männer. Die neuen Zahlen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE 2024) zeigen, dass Frauen im Durchschnitt 1’364 Franken weniger pro Monat verdienen als Männer. Dies entspricht einer Lohndifferenz von 15,7 %.
Rund 53 Prozent der Lohnlücke erklären sich dadurch, dass Frauen in Branchen, Berufe oder hierarchischen Stellungen arbeiten, die schlechter entlöhnt sind. Dieser so genannte erklärbare Anteil ist selbst oft diskriminierend. Branchen und Berufe, in denen viele Frauen arbeiten, zahlen oft schlechter, weil die Arbeit von Frauen abgewertet wird. Rund 47 Prozent der Differenz lassen sich nicht einmal durch diese Faktoren begründen, was eine unerklärte Lohneinbusse von Frauen in Höhe von 640 Franken pro Monat entspricht. Dies deutet stark auf eine direkte Lohndiskriminierung hin und bleibt auch im langfristigen Zeitverlauf konstant: Bereits 2012 belief sie sich auf 675 Franken.
In Kleinunternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten fällt die Lohndifferenz zudem wesentlich höher aus. Dies bestätigt die Notwendigkeit, das Gleichstellungsgesetz zu stärken. Es ist inakzeptabel, dass Arbeitgeber Frauen weiterhin straflos deutlich tiefere Löhne zahlen können. Die 2020 eingeführten Lohnanalysen müssen für alle Unternehmen obligatorisch werden und regelmässig wiederholt werden. Sie müssen mit Kontrollen und Sanktionen bei Nichteinhaltung verbunden werden.
Strukturelle Reformen nötig
Der SGB fordert zudem strukturelle Reformen. Die deutlich höhere unerklärte Lohndifferenz bei verheirateten Frauen bestätigt, dass Ehe und Mutterschaft den Lohnanstieg von Frauen stark bremsen und die Lohnschere dauerhaft weiter öffnen. Grund dafür ist die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die unbezahlte Arbeit lastet nach wie vor hauptsächlich auf Frauen, das Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung ist zu knapp und zu teuer, und die Arbeitsbedingungen sind oft nicht mit familiären Verpflichtungen vereinbar.
Der SGB wird sich weiterhin dafür einsetzen, die familienergänzende Kinderbetreuung langfristig zu einem steuerfinanzierten und für alle Eltern kostenlosen Teil des Service public auszubauen. Kurzfristig muss die Einführung von Betreuungsgutscheinen in den Kantonen an gute Arbeitsbedingungen geknüpft werden, um genügend qualitativ hochwertige Betreuungsplätze zu gewährleisten. Die Löhne in der frühkindlichen Betreuung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen und in anderen mehrheitlich von Frauen ausgeübten Berufen müssen erhöht werden. Die Abwertung der entsprechenden Berufe, erklärt einen grossen Teil der strukturellen Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern. Selbst mit einer abgeschlossenen Lehre verdienen vier von zehn Frauen weniger als 5000 Franken pro Monat, eine von vier muss sich sogar mit weniger als 4500 Franken begnügen. Löhne von mindestens 5000 Franken nach der Lehre und von mindestens 4500 Franken für alle müssen zur Norm werden.
Angriff auf Mindestlöhne ist Angriff auf Lohngleichheit
Zudem kommt es nicht infrage, dass das Parlament die demokratisch eingeführten Mindestlöhne in mehreren Kantonen und Städten untergräbt. Der SGB hat das Referendum gegen die Gesetzesvorlage ergriffen, die vorsieht, Mindestlöhne in Branchen wie zum Beispiel Hotellerie-Gastronomie, Coiffeurgewerbe und Reinigung nicht mehr anzuwenden. Das schädliche Gesetz würde Zehntausende von Arbeitnehmenden betreffen, die bereits heute zu Tieflöhnen arbeiten. Zwei Drittel davon sind Frauen. Der Angriff auf die Mindestlöhne ist damit auch ein Angriff auf die Lohngleichheit und droht die Lohnschere zwischen den Geschlechtern weiter zu öffnen.

