Pedro Lenz: 1. Mai 2012

  • Schweiz
Artikel

Video des Auftritts in Zürich

 

Liebi Genossinen und Genosse

 

liebi Aawäsendi,

 

Liebi Genossinen und Genosse,

i säge sehr bewusst Genossinen und Genosse,

i säge Genossinnen und Genosse,

im Wüsse, dass das auti Begriffe si, urauti Begriffe,

im Wüsse, dass die Begriffe us der Mode si cho,

im Wüsse, dass me die Begriffe fasch nümm ghört,

im Wüsse, dass me bis wit i güenliberali Kreise ine,

über di Begriffe lachet.

 

Genossinnen und Genosse,

das seit hütt praktisch niemer meh.

 

Genossinnen und Genosse,

das seitme nume no am Erschte Mai,

und no denn lieber nid.

 

Mir wärde hütt immer weniger aus Genosse

und immer meh aus Konsumänten aagsproche.

 

Mir verstöh nis säuber fasch säubschtverständlech

zerscht und vor auem

aus Konsumäntinnen und Konsumänte,

mir verstöh nis aus Konsumäntinnen und Konsumänte

wöu mer glehrt und gmerkt hei,

dass men üs über e Konsum definiert,

dass men üs gärn het, wemer konsumiere,

dass men üs vor auem denn ärnscht nimmt,

wemer e konsumierendi Ziugruppe si.

 

Tüet profitiere vo däm Aagbeot,

tüet profitiere vo däm Sonderaagebot,

liebi Chunde, tüet jetz profitiere,

nid studiere, profitiere.

 

Mir wärden aus Konsumänten aagsproche,

i de Warehüser, i de Zytigen,

im Radio, im Fernseh, uf der Stross,

im Chino, im Flugzüg, ir Arztpraxis,

überau simer Konsumänte,

überau simer Chunde, User,

Kliänte oder Leischtigsbezüger.

 

Wär hütt es Problem het,

wändet sech a Konsumänteschutz

und nid a d Genosse.

 

Mir si Konsumäntinnen und Konsumänte,

wöu mer druf abgrichtet si,

wöu mer scho lang glehrt hei,

dass aues Wachstum isch,

dass aues Konsum isch,

dass aues Aktion und Sonderrabatt

und Bonus und Äxtrabonus

und Äxtramultibonus und Äxtrasuperbonus isch.

 

Konsum isch d Religon vor Zyt.

D Konsumtämple,

si üsi Kathedrale, scho lang,

d Konsumänteschützer,

si üsi Biichtvättere,

wär hütt im Autag nid witer weiss,

wändet sech a ne Chundedienscht

oder a ne Service-Hotline:

 

«Für Deutsch, drücken Sie die Taste 1,

für Rückfragen, drücken sie die Taste 3,

für Corporate Identity drücken sie die Taste 5,

für Fragen im Zusammenhang

mit ihrer persönlichen Verzweiflung,

drücken Sie sich einen Cheesburger in den Kopf.»

 

Und wi bi fasch jeder Religion,

isches ou bim Konsum der Bruuch,

dass me nid z vüu hingerfrogt,

dass me nid z vüu aazwiflet,

dass me nid z vüu widerspricht,

dass me d Dogme reschpektiert,

dass me d Prieschter reschpektiert,

dass me d Gloubensbekenntnis akzeptiert,

dass me z Schicksau akzeptiert,

dass me sech bückt und kuschet,

dass me brav jo und Amen seit.

 

Und wi fasch jedi Religion,

kennt ou der Konsum

e Huufe Heiligebüudli und Traktätli,

si liggen i Metauboxen und uf de Sitze

vom Tram, vom Bus, vor Isebahn,

si liggen am Bode, si liggen uf den Ablage,

si liggen i de Wartsääu, si liggen i de Schuele,

si liggen i de Kantine, si liggen überau,

d Gratiszytige si d Traktätli vom Konsum,

d Stars, wo drin abghandlet wärde,

d Promis, wo drin abghandlet wärde,

das si di Heilige, wo mer aabätte,

 

Und mir si so glöubig und so fromm,

und so fougsam und so verfüehrbar

und so weichgchochet und so naiv,

dass mer di Gratis-Traktat

jede Tag aaluegen und zletscht no gloube,

si mieche nis zu bessere Mönsche.

 

Mir konsumiere hütt Gratiszytige,

wi me früecher vilecht bättet het,

mit der gliiche Säubschtverständlechkeit,

mit der gliiche Gedankelosigkeit,

mit der gliiche Gwüssheit,

dass öppis wo aui mache,

nie ganz fautsch cha si.

 

Mir konsumiere wöus büuig isch

Mir konsumiere, wöus gratis isch,

mit konsumiere, wöu mer zum Konsum,

ke Auternative wei kenne.

 

Us der Eidgenosseschaft,

isch scho lang

en Eidkonsumänteschaft worde.

 

Wenn zum Bischpüu e Milliardär

wi dörte denn der Steve Jobs,

eine wos gschafft het, der Konsum

i nöii Dimänsione z tribe,

ungerwägs emou stirbt,

so wi mir aui ungerwägs mou stärbe,

wenn auso e Steve Jobs stirbt,

de gsehtmen am nöchschte Tag

zum Bischpüu z Züri uf der Bahnhofstross,

Mönsche, wo Cherzli aazünde

Mönsche, wo grännen und hüüle,

Mönsche wo ärnschthaft truure

wi wenn si e Vatter

oder Mueter verlore hätte.

 

Und si truuren uf der Stross,

wöu si Angscht hei,

dass di Konsumgüeter,

wo ne dä Verstorbnig verchouft het

Konsumgüeter,

wo notabene nüt angers si,

aus eifach Konsumgüeter,

mit sim vermarkter zäme gschtorben chönnte si.

 

Ou drum hani öich am Aafang,

mit Genossinen und Genossen aagsproche,

wöu i nid cha gloube,

wöu i nid cha akzeptiere,

dass es i däm Land nume no

Konsumäntinnen und Konsumänte git,

wöu i nid cha gloube,

wöu i nid wott gloube,

wöu i mi weigere z gloube,

dass das wo d Gnosseschaft usmacht,

dass das wo d Eidgenosseschaft usmacht,

ds Gmeinwäse, ds Gmeinsame, ds Gmeinwouh,

nadisna verchouft wird, privatisiert wird,

abglöst wird, ersetzt wird,

dür di absoluti Gliichgüutigkeit,

gägenüber dene Mitmönsche,

wo das Renne nümm möge mitmache,

us was für Gründ ou immer.

 

Hütt ghöreni uf der Stross Jungi,

wo sech gägesitig aus Opfer beschimpfe

oder aus Looser, Mongos, Spastis:

 

«Was machsch, du Opfer?»

«Bis doch stüu, du hueren Opfer!»

«Verpiss di ändlech, du Opfer!»

«Gang doch hei du Looser!»

«Haut der Lade, du Möngu!»

 

Das ma minetwägen e Mode si,

das ma minetwäge nid eso ärnscht gmeint si,

das ma minetwägen ou ironisch gmeint si,

aber es isch bezeichnend für ne Hautig,

wo vom Einzelnen usgeit,

wo vom Siegertypus us geit

und wo kes Bewusstsi meh

für ds Kollektiv wott ha,

für nes Kollektiv, wo aui drin Platz hei.

 

Mir verstöh ds Läben,

mir verstöh der Autag,

mir verstöh d Exischtänz

nume no aus Konsumwettbewärb

und wär i däm Wettbewärb verlürt,

isch e Looser oder äben es Opfer

und es Opfer het offebar üsi Verachtig verdient.

 

Vüune Lüt chunnts gar nümm i Sinn,

dass men amnen Opfer

ou uf d Füess chönnt häufe,

dass men es Opfer

ou chönnt reschpektiere,

dass mir au zäme,

wo jetz no gedankelos konsumiere

dass jedi und jede vo üs,

irgendwo und irgendeinisch

säuber zumnen Opfer cha wärde.

 

Mir meinen es längi, Konsumänt z si,

so lang mer konsumiere,

wärde mer hofiert,

so lang mer konsumiere,

chöme mer d Zytig gratis über,

chöme mer ds Handy gratis über,

chöme mer d Flugmeile gratis über,

so lang mer konsumiere,

heimer Oberwasser.

 

Aber was isch mit dene,

wo ni chöi oder nid wei konsumiere?

und was isch mit dene,

wo uf dere Konsumoutobahn,

am Wägrand blibe stoh,

wöu si der Job verlüüre

oder wöu si chrank wärde

oder wöu si aut wärde

oder wöu si us em Raschter gheie?

 

Was isch mit dene,

wo d Eidkonsumänteschaft

hinge zum Änddarm usedrückt,

wöu si ggässen und verdouet si

und ke Rändite meh abwärfe?

 

Liebi Genossinen und Genosse,

en Erschte Mai dünkt mi ggeignet,

zum drüber nochedänke,

was d Auternative chönnte si,

d Auternative zum Konsumwahn,

d Auternative zum Schönheitswahn,

d Auternative zum Starkult,

d Auternative zum nen Abergloube,

wo nis vorgouklet, es göng um üs,

wenns eigetlech numen um üsi Stütz geit

wo nis vorgouklet, es göng um üs,

wenns eigetlech numen um üsi Energie geit

und wenn d Chue gmouchen isch,

cha si zum Schlachthus.

 

Aber mir wei nis nid nume lo mäuche,

mir möchten ou aus Arbeitnähmerinnen

und aus Arbeitnähmer,

mir möchten ou aus Arbeitslosi,

mir möchten ou aus Studäntinnen und Studänte,

mit möchten ou aus Sans Papiers

mir möchten ou aus Räntnerinnen und Ränter,

e würdigen Aateil ha, a dere Gsöuschaft,

möchten e gwüssi Sicherheit ha,

möchte nid müesse bättlen um würdigi Löhn,

nid müesse bättlen um würdigi Ränten

möchte nid müesse bättlen um Ergänzigsleischtige.

 

Mir möchte a ds Kollektiv appelliere,

a d Gnosseschaftlechkeit ir Eidgenosseschaft

wöu di vo üs, wo uf Löhn und Ränte aagwise si,

die verstöh nümm länger worum,

dass es nid ändlech säubschtverständlech cha si,

dass me d Wärte und d Rändite so verteilt,

dass es für aui gnueg git,

gnueg zum Läben und gnueg

zum ke Angscht müesse ha.

 

D Konzärne hei nis zu brave Konsumänte gmacht,

d Wärber, d Grossverleger, d Medie,

d Versicherige, d Pharmainduschtrie,

d Warehuuschöttine, d Internetaabieter,

aui möchte nis zu Konsumänte mache.

 

Aber zum Konsumäntin oder Konsumänt wärde,

zum aacho i dere versprochene Glitzerwäut

söu jedi und jede denen ihri Spüuregle befouge

und ihri Spüuregle mache si für sich, nid für üs,

ihri Gratiszytige drucke si für sich, nid für üs,

ihri SMS-Votings mache si für sich, nid für üs

ihri Dividände, erhöche si für sich, nid für üs,

d Staatsbetriebe privatiere si für sich, nid für üs,

ihre Gwünn optimiere si für sich, nid für üs

ihri Lohnchöschte sänke si für sich, nid für üs,

üsi Ränte sänke si für sich, nid für üs,

ihri Gratishandys verteile si nid,

wöu si nis gärn hei, sondern, wöu si scho lang,

wöu si scho längschtens usgrächnet hei

dass es guet uns räntabu isch, für si, nid für üs.

 

Jo, für si räntierts,

wenn si üs ständig z Gfüeu gä,

mir heige vo irgendöppis chönne profitiere

ou wemer zletscht di Pschissne si.

 

Wi naiv weimer de no si?

Wi lang wie mer de no zueloh,

dass si nis öffentlechi Sicherheit verchoufe

mit Wägwiisigsartikle und Schnäugricht,

wos gar nid um öffentlechi Sicherheit geit,

sondern einzig und alei um d Sicherheit,

dass si der öffentlech Ruum,

dass si di öffentleche Bahnhöf

und die öffentleche Plätz

und d Fuessbaustadie

zu Konsumplätz und Konsumtämple wei mache?

 

 

Wi naiv weimer de no si?

Wi lang wie mer de no zueloh,

dass nis di gliiche Firme,

wo nis mit eire Hang e Zytig verschänke,

der Gägewärt vo sore Gratiszytig

mit der angere Hang scho lang

scho lang ddopplett und drüfach

usem Sack hei zoge?

 

Gratis isch nid gratis,

gratis isch nie gratis,

gratis zauht immer öpper,

gratis zahle mir ddopplett und drüfach,

der Pris vo gratis, gratis, gratis,

muess öpper zahle – und zwar mir.

 

Wenn zum Bischpüu z Bärn im Tram

en Afrikanern uf aune Vierne,

zwüsche de Füess vo de Reisende

Gratiszytige vom Bode mues ufläse,

de zauht das ke Zytigsverlag,

sondern d Augemeinheit,

de isch das für üs nümmm gratis.

 

Wenn es Chemieungernähme z Gänf

ihrnen Aktionäre 20% Dividände uszauht

und 1200 Lüt uf d Stross stöut,

de zahle nid d Aktionäre für di Lüt,

wo ke Püez meh hei,

wo ke Lohn meh hei,

wo ke Gwüssheiut meh hei,

während däm dass di angere

20 Prozänt Ränditen usehole

und di Ränditen i ihri Stüürparadies schleppe,

das zauht  d Augemeinheit,

das isch für üs nümm gratis.

 

Wenn eis Prozänt vo de Lüt i däm Land

meh Bsitz het,

aus di räschtleche 99 Prozänt,

de isch das für üs ou nümm gratis.

 

Drum hani öich, liebi Aawäsendi,

aus Genossinnen und Genossen aagredt,

wöu Gnosseschaftlechkeit e Begriff isch,

wo nid söu vergässe wärde.

 

Natürlech simer mängisch ou Chundinnen und Chunde,

natürlech simer mängisch ou Kliäntinnen und Kliänte,

natürlech simer ou Konsumäntinnen und Konsumänte,

aber das längt nid,

das macht üs aus Mönsche nid us.

 

Liebi Genossinnen und Genosse,

Gmeinschaftlechkeit, Gmeinsamkeit,

Solidarität über aui Gränze,

das si nume für die Lüt auti Begriffe,

wo nis gärn würde privatisiere,

privatisieren im Sinn, vo usenangtriibe,

privatisieren im Sinn vo entsolidarisiere,

privatisieren im Sinn vo iilulle,

privatisieren, bis jedi und jede vo üs meint,

der Konsum sig der Sinn vor Exischtänz

und d Konsumwäut gäb nis das,

was mir nis immer wünsche,

gratis oder büuig, aber uf jede Fau so,

dass es für die, wos propagiere,

besser räntiert, aus für üs.

 

Gmeinschaftlechkeit, Gmeinsamkeit,

Solidarität über aui Gränze,

das si nume für die Lüt auti Begriffe,

wo nis möchte vormache,

ds Problem i däm Land sige di Frömde,

ds Problem i däm Land sig d Zuewanderig,

ds Problem i däm Land sige, die,

wo nid iigwachse sige, i dene Schwizerböde,

wo nid iigwachse sige, i dene Schwizerhöger.

 

Aber excüse,

d Schwiz ghört nid dene, wos behoupte,

d Schwiz ghört nid dene, wo behoupte,

si sige besseri Schwizer, nei,

d Schwiz ghört aune, wo drin läbe.

 

Aber die, wo nis das wei vormache,

die wo nis wei vormache,

nume si sige richtigi Schwizer,

das si di gliiche, wo säuber sehr wou

ihre Cholen ir Frömdi verdiene,

Arbetsplätz dört häre verlagere,

wo si weniger Stüren oder weniger Lohn müesse zahle

und überhoupt kener Skrupu hei,

internationau z verdiene

und nationlistisch z politisiere.

 

Aber so chas nid ewig loufe,

sech globau, sech schamlos globau beriichere

und sech gliichzitig aus Patrioten ufspile,

vor Wäut um üs ume profitieren

i de Länder um üse ume vüu Gäud verdiene

und vüu Dräck hingerloh

und gliichzytig die Mönsche,

wo us dene Länder zu üs chöme vertüüfle,

das geit uf d Längi nid uf.

 

Es isch hütt üblech worde,

liebi Genossinnen und Genosse,

es isch hütt üblech worde,

dass Exponänten us Parteie, wo sech wäutoffe gäh,

Usländerfindlechi Sprüch chöi mache.

 

Es si nümm nume di aut bekannte Frömdehasser,

wo gäge Usländerinnen i däm Land Stimmig mache,

nei, es git scho lang ou i de Kreise vo dene,

wo di grüeni Farb i ihre Parteinamen ufgnoh hei,

Stimme wo gäge Gmeinschaftlechkeit, gäge Frömdi,

gäge mönschlechi Solidarität Stimmig mache,

Stimme, wo für nen nationalen Egoismus plädiere,

Stimme wo uneidgenosseschaftlech,

wo totau anti genosseschaftlech si!

 

Liebi Genossinnen und Genossen,

Liebe Eidgenossinnen und Frömdgenosse,

i möchtnech ermuetige,

öich aus Genossinen und Genosse z verstoh,

aus Genossinnen und Genossen ufzstoh,

aus Genossinnen und Genosse zämezstoh.

 

Härzleche Dank für d Ufmerksamkeit.

 

Merci vüu Mou.

Zuständig beim SGB

Daniel Lampart

Premier secrétaire et économiste en chef

031 377 01 16

daniel.lampart(at)sgb.ch
Daniel Lampart
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