Zweitsprache in Berufslehre: ein Schritt nach vorn

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Verfasst durch Willy Nabholz*

Staatssekretariat hat reagiert

Das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB), das Berufsschullehrer/innen ausbildet, fördert künftig auch den zweisprachigen Unterricht an Berufsfachschulen. Diese neue Aufgabe verlieh ihm das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Zweisprachiger Unterricht wird als eine von vier „Stossrichtungen“ zur Schliessung einer Lücke in der Berufsbildung empfohlen.

Nachdem eine Untersuchung einen deutlichen Mangel an Mobilität und Fremdsprachenförderung in der Berufslehre festgestellt hatte, hat der Bund nun reagiert. Das ist erfreulich und zukunftsweisend. Denn in Arbeitswelt, Bildung und Privatleben sind Kontakte über die Sprachgrenzen hinweg fast alltäglich geworden. Die Fähigkeit, mit fremdsprachlichen Texten und Online-Informationen angemessen umzugehen, gehört heute zu den Grundkompetenzen in fast allen Berufen. Die „Fremdsprachenlücke“ in der Berufsbildung ist denn auch für viele Jugendliche ein wichtiger Grund, den schulischen Weg der dualen Lehre vorzuziehen.

Im SBFI-Newsletter vom Mai 2014 heisst es dazu denn auch: «Arbeitswelt und Bildungswesen werden immer internationaler. Diese Entwicklung stellt auch an die Berufsbildung neue Anforderungen. Um die Fremdsprachenkenntnisse der Lernenden entsprechend der wirtschaftlichen Bedürfnisse zu fördern, soll vermehrt auf bilingualen Unterricht gesetzt werden. Das SBFI unterstützt das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) beim Aufbau der nötigen Förderstrukturen.»

„Plattform 2. Sprache“ geht ans EHB

Auch der SGB hat sich seit Langem für „mindestens eine zweite Sprache in der Lehre“ eingesetzt. 2008 hat er dazu die „Plattform 2. Sprache“ ins Leben gerufen. Die vom Bund mit einer Starthilfe unterstützte Internetplattform „www.2sprachen.ch / www.2langues.ch“ dokumentierte erstmals gesamtschweizerisch das Thema Fremdsprachen in der Berufsbildung und publizierte laufend „News“ dazu. Dies in einfacher Aufmachung, aber kontinuierlich und möglichst umfassend. Diese Materialien werden nun sukzessive vom EHB übernommen und für die neue Anlaufstelle nutzbar gemacht.

Dass auf der „Plattform 2. Sprache“ der zweisprachige Unterricht in den Vordergrund rückte, hat damit zu tun, dass hier – anders als beim Fremdsprachenunterricht – Innovation und Fortschritt am ehesten sichtbar wurden. Davon zeugt auch der an vielen Mittelschulen erfolgreich eingeführte „Immersionsunterricht“. Dennoch ging es den Gewerkschaften nicht um die Favorisierung nur eines Weges: Angesichts der Vielfalt der beruflichen Bildungswege geht es generell um den Einbezug mindestens einer zweiten Sprache (eine andere Landessprache oder Englisch) in Schule und/oder Betrieb. An der Berufsfachschule geht es dabei um ein obligatorisches Fremdsprachfach und/oder um zweisprachigen Unterricht und/oder um Sprachaufenthalte oder -austausche. Je intensiver und vielfältiger die fremdsprachliche Förderung, desto besser. Die heutige Situation jedoch, dass nämlich vier von fünf Berufslernenden ihre Lehre einsprachig durchlaufen, ist jedenfalls nicht zukunftstauglich - und kein Ruhmesblatt für unsere Berufsbildung.

 

Willy Nabholz ist Projektleiter der Plattform 2.Sprache und Mitglied der bildungspolitischen Kommission des SGB

Zuständig beim SGB

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Stellvertretende Sekretariatsleiterin

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