Einreichung der Petition für acht Wochen Ferien in der Lehre

Einreichung der Petition für acht Wochen Ferien in der Lehre

 

Trotz 176 000 Unterschriften: WBK-S will Lernenden mehr Ferien verweigern

  • Bildung & Jugend
Medienmitteilung

Petition «8 Wochen Ferien in der Lehre»

Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerates (WBK-S) will Lernenden eine zusätzliche Ferienwoche verweigern. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) kritisiert den gestrigen Entscheid scharf. Die Kommission verpasst damit eine grosse Chance, die Berufslehre aufzuwerten und den Gesundheitsschutz der Jugendlichen zu stärken. Der Entscheid ist ein Affront gegenüber 176'000 Lernenden und Unterstützer:innen, die mit ihrer Unterschrift acht Wochen Ferien für Lernende gefordert haben. Nun ist der Ständerat gefordert, am 14. Dezember den Entscheid zu korrigieren. 

Die Berufslehre steht unter Druck. Immer weniger Jugendliche entscheiden sich nach der obligatorischen Schule für eine berufliche Grundbildung. Gleichzeitig leiden viele Lernende unter Stress und psychischen Belastungen, und rund ein Viertel der Lehrverträge wird vorzeitig aufgelöst. Statt diese Warnsignale ernst zu nehmen, verweigert die WBK-S selbst eine minimale Verbesserung der Ausbildungsbedingungen.

Wer sich heute für eine Berufslehre entscheidet, hat in der Regel fünf Wochen Ferien. Gleichaltrige Jugendliche an Gymnasien oder Fachmittelschulen haben rund 13 Wochen Schulferien. Diese Ungleichbehandlung ist weder zeitgemäss noch förderlich für die Attraktivität der Berufsbildung.

Die Politik darf nicht warten oder sich hinter der angeblichen Forschungslücke im Hinblick auf die Belastung der Lernenden verstecken. So nimmt sie in Kauf, dass noch mehr Jugendliche der Berufsbildung den Rücken kehren.

Auch das Kostenargument überzeugt nicht. Die aktuelle Kosten-Nutzen-Erhebung der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB) zeigt, dass die Ausbildung von Lernenden sich für die Mehrheit der Betriebe finanziell lohnt. Gemäss ergänzenden EHB-Modellrechnungen würden selbst bei fünf zusätzlichen Ferientagen noch zwei Drittel (67,3%) der Lehrverhältnisse einen positiven betrieblichen Nettonutzen aufweisen.

Ständerat muss korrigieren – SGB erhöht den Druck

Die gewerkschaftliche Forderung bleibt klar: acht Wochen Ferien für alle Lernenden. Mehr als 176'000 Menschen haben diese Forderung mit ihrer Unterschrift unterstützt. Die zur Diskussion stehenden sechs Wochen sind bereits ein Kompromiss und wären ein bescheidener erster Schritt. Dass selbst dieser von der WBK-S abgelehnt wird, ist ein fatales Signal an die Jugendlichen und an die Zukunft der Berufsbildung.

Der SGB wird sich mit diesem Entscheid nicht abfinden. Am SGB-Kongress vom 13. und 14. November wird mit dem Positionspapier «Wert der Lehre» die Aufwertung der beruflichen Grundbildung ins Zentrum gerückt. Auch am nationalen Spitzentreffen Berufsbildung vom 24. November wird der SGB konkrete Verbesserungen für die Lernenden einfordern: mehr Ferien, besseren Gesundheits- und Jugendarbeitsschutz, verbindliche Qualitätsstandards in den Lehrbetrieben und ausreichend Zeit für die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner.

Wer die Berufslehre stärken und dem Fachkräftemangel entgegenwirken will, muss endlich in die Jugendlichen investieren – statt ihnen selbst eine zusätzliche Woche Erholung zu verweigern. Der Ständerat hat am 14. Dezember die Gelegenheit, ein klares Zeichen für die Lernenden und für eine zukunftsfähige Berufsbildung zu setzen. Der SGB erwartet, dass er diese Verantwortung wahrnimmt.
 

Zuständig beim SGB

Nicole Cornu

Zentralsekretärin

031 377 01 23

nicole.cornu(at)sgb.ch
Nicole Cornu (SGB)
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