Stipendieninitiative: Die Kluft zwischen beruflichem und akademischem Weg endlich kleiner machen

  • Bildung & Jugend
Artikel
Verfasst durch Véronique Polito

Der SGB unterstützt die Stipendieninitiative. Die Initiative nützt insbesondere auch den Jugendlichen, die eine höhere Berufsbildung absolvieren wollen. Sie könnten leichter als heute in den Genuss von Stipendien kommen.

Die Schweiz hat in den letzten 20 Jahren ihre Bildungsanstrengungen massiv erhöht. Die zusätzlichen Investitionen haben es erlaubt, die Finanzierung der Forschung (+77%, <media 2784 - - "BILD, grafik bildung, grafik__bildung.png, 89 KB">siehe Grafik</media>), und die der Hochschulen und der beiden ETH (+97%) stark zu steigern.  Von dieser Entwicklung profitierten jedoch nicht alle Bereiche. Obwohl die Zahl der Studierenden stark zunahm, stagnierten die Mittel für Stipendien. Real gemessen gingen sie gar zurück. Im Bereich der höheren Berufsbildung ging die Finanzierung ebenfalls massiv zurück (-51%), weil der Staat seine Mittel in den Aufbau der Fachhochschulen investierte.

Diese Entwicklung wirkt sich nachteilig aus auf Jugendliche, die den Weg der Berufslehre wählen und dabei nicht das Glück haben, eine Berufsmatura absolvieren zu können. Diese Jugendlichen stammen aus Familien, die zumeist über weniger Ressourcen verfügen, und sind in mehrfacher Hinsicht benachteiligt:

  1. Wenn sie sich für eine höhere Berufsbildung entscheiden, haben sie einen grossen Teil der Ausbildungskosten selbst zu berappen. Im Fall der höheren Fachschulen übernimmt der Staat nur 50 % der Kurskosten. Im Fall der Vorbereitungskurse für die eidgenössischen Berufsprüfungen beträgt der Subventionsanteil aktuell weniger als 20 %.[1] Das bedeutet für die betroffenen Jugendlichen eine Last von jährlich mehreren Tausend Franken, die zum Lohnausfall hinzukommen.
  2. In den Kantonen benachteiligen die Anspruchskriterien für Stipendien allgemein Personen, die bereits im Erwerbsleben gestanden sind (z. B. Einstufung aufgrund der letzten Steuererklärung). Personen, die den Weg der Lehre gewählt haben, werden dabei bestraft. So beziehen heute etwa nur 3 bis 4 % derjenigen, die eine höhere Berufsbildung absolvieren, ein Stipendium.

Der Befund ist eindeutig: Diese Entwicklung der Verteilung der finanziellen Mittel hat die Ungleichheiten zwischen beruflichem und akademischem Weg verstärkt. Der Stipendieninitiative kommt das Verdienst zu, klar auf dieses Problem hinzuweisen und – im Unterschied zu Bundesrat Schneider-Ammann – endlich wirksame Lösungen vorzuschlagen.  

Aus diesen Gründen unterstützt der SGB die Initiative:

  •  Ein Stipendiensystem nach dem Muster der Volksinitiative ermöglichte, die Anspruchskriterien an die persönliche Situation anzupassen und damit auf die spezifischen Bedürfnisse derer zu antworten, die den Weg der Lehre gewählt haben;
  • Faire Stipendien ermöglichten es den Jungen, sich endlich auf die Prüfungen zu konzentrieren und rascher die nötigen Berufsqualifikationen zu erlangen.  
  • Die jungen (und weniger jungen) Berufsleute könnten Qualifizierung, Berufskarriere und Familie endlich besser vereinbaren - ohne dabei ihre Gesundheit opfern zu müssen.
Zum Herunterladen
  • <media 2784 - - "BILD, grafik bildung, grafik__bildung.png, 89 KB">Grafik Ausgabenwachstum im Bildungsbereich</media>

 

[1] Eine Revision des Berufsbildungsgesetzes befindet sich im Moment in der Vernehmlassung. Sie hat zum Ziel, diese Situation zu verbessern. Leider will der Bund den Kantonen den grössten Teil der mit der Reform verbundenen zusätzlichen Kosten überbürden.

Zuständig beim SGB

Laura Perret Ducommun

Stellvertretende Sekretariatsleiterin

031 377 01 23

laura.perret(at)sgb.ch
Laura Perret
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