Stipendieninitiative: Chancengleichheit in der Bildung fördern

  • Bildung & Jugend
Artikel
Verfasst durch Vania Alleva, Vize-Präsidentin SGB und Geschäftsleitungsmitglied Unia

Stipendien sind ein gutes Mittel für die Chancengleichheit. Sie ermöglichen allen, die wollen und können, eine optimale Ausbildung. Deshalb unterstützen die SGB-Gewerkschaften die Stipendieninitiative.

Bildung ist die wichtigste Ressource der Schweiz. Zu diesem Gut gilt es Sorge zu tragen. Wir wollen es optimal fördern und nutzen. Das ist nur möglich, wenn alle Menschen möglichst gleiche Bildungschancen haben. Heute hängt das individuelle Ausbildungsniveau in der Schweiz noch zu stark von jenem der Eltern oder von deren Geldbeutel ab. Das gleiche Recht auf Bildung ist somit nicht eingelöst.

Deshalb unterstützen wir Gewerkschaften die Stipendieninitiative, denn durch die vorgeschlagene Verbesserung und Harmonisierung der Stipendien fördert sie Chancengleichheit und das Recht auf Bildung. Auch für die höchste Bildungsstufe regelt jeder Kanton das Stipendienwesen ganz anders. Die kleinräumige Schweiz leistet sich so einen absurden Stipendienföderalismus. Menschen werden bei gleicher sozialer Stellung ganz unterschiedlich unterstützt, je nach dem, in welchem Kanton sie niedergelassen sind. Die von der Initiative vorgesehene Harmonisierung ist darum überfällig.

Aber nicht nur bei der universitären Bildung, sondern auch an den Gymnasien und bei der höheren Berufsausbildung bringt die Initiative wichtige Verbesserungen. Denn auch hier gibt es in der Schweiz heute krasse Chancenungleichheiten:

  • In einzelnen Branchen mit guten Gesamtarbeitsverträgen (GAV) und/oder Bildungsfonds bezahlen die Sozialpartner einen grossen Teil der Fortbildung ihrer Beschäftigten. Leider untersteht in der Schweiz weniger als die Hälfte der Beschäftigten einem GAV, und nur wenige GAV sehen explizit eine Unterstützung der Berufsbildung oder gar der höheren Berufsbildung vor.

  • Männer (30%) profitieren mehr als doppelt so häufig von höherer Berufsbildung als Frauen (14%).

  • Je höher ein Einkommen, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sein/ihre Bezüger/in eine höhere Berufsbildung absolviert. Dabei hätten die Niedriglohnbezüger/innen Weiterbildung am nötigsten, und sei es nur darum, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

  • Je grösser das Unternehmen, umso eher haben die Beschäftigten Zugang zur höheren Berufsbildung. In der Schweiz dominieren jedoch die KMU – auch wer in diesen arbeitet, sollte Zugang zur höheren Berufsbildung haben.

Schliesslich sind Stipendien auch für das Schweizer Erfolgsmodell «Berufslehre» wichtig: An die 20'000 Lehrlinge und Absolvent/innen von Vollzeit-Berufsschulen beziehen heute Stipendien – nach ganz unterschiedlichen und nicht immer nachvollziehbaren Kriterien. Eine Harmonisierung ist auch in diesem Bereich unerlässlich, damit Lehrlinge nicht in schlechter qualifizierte, wenn auch kurzfristig besser bezahlte Jobs abspringen.

Für uns Gewerkschaften ist klar: Stipendien sind ein gutes Mittel für die Chancengleichheit. Sie ermöglichen allen, die wollen und können, eine optimale Ausbildung. Deshalb sagen wir JA zu einer gezielten Investition in unser wichtigstes Gut «Bildung», JA zu einer ausgewogenen Investition in unsere Zukunft, JA zur Stipendieninitiative.

Zuständig beim SGB

Laura Perret Ducommun

Stellvertretende Sekretariatsleiterin

031 377 01 23

laura.perret(at)sgb.ch
Laura Perret
Top