Stipendieninitiative: Chance zur Chancengleichheit

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Verfasst durch Ewald Ackermann

Auch Jugendlichen aus ärmeren Schichten soll ein Studium zugänglich sein. Damit das in Zukunft vermehrt der Fall ist, braucht es mehr Stipendien. Und damit dies der Fall ist, ein Ja zur  Stipendieninitiative am 14. Juni.

Ich hab vom Sputnik-Schock profitiert. Sputnik-Schock? 1957 schossen die Sowjets mit Sputnik 1 den ersten Erdsatelliten ins Weltall. Ein böses Indiz für den Westen: Der Feind im Osten hatte bildungsmässig aufgeholt oder den Westen gar überholt. Die Antwort hierzulande: mehr Jugendliche akademisch ausbilden. Die Volksschullehrer, auch bei uns in tiefer Provinz, ermunterten plötzlich regelmässig 3 bis 4 Köpfe pro Klasse (und ihre Eltern), doch das Gymi zu wählen. Und wer es wählte, ging später an die Uni. Und bekam Stipendien. Zuvor war der Sohn des Maurers Maurer geworden, der Sohn des Bäckers Bäcker. Und die Töchter kamen im Gastgewerbe unter – bis sie heirateten.

Immer noch Schichtbarrieren

Das sind tempi passati. Zum Glück. Aber dennoch: Jede aktuelle Erhebung zeigt, dass beim Zugang zur Hochschule die Schicht immer noch ein bestimmendes Moment ist. Kinder von Akademikern sind viel eher wieder in akademischen Ausbildungen anzutreffen als Kinder von Nichtakademikern. Das mag vielfältige Ursachen haben, eine gewichtige bleibt die des Budgets. Das könnte die Politik korrigieren, mit Stipendien. Aber das hat sie nicht getan in den letzten Jahren. Vielleicht auch, weil es keine sowjetische Konkurrenz mehr gibt. Sie hat, trotz Gezeter über den Fachkräftemangel, die Stipendien zurückgefahren.

Das ist der erste Hauptgrund, warum der SGB mit Überzeugung Ja sagt zur Stipendieninitiative. Stipendien sind ein Mittel, die akademische Welt auch den weniger Privilegierten zu öffnen. Stipendien bilden den Stoff, aus dem Chancengleichheit wächst. Wenn heute nur 8 % aller auf akademischem Niveau Studierenden ein Stipendium erhalten, und viele von ihnen bloss eine milde Gabe, dann ist diese Chancengleichheit irgendwo zuvor abgewürgt worden.

Hilft auch AbsolventInnen der höheren Berufsbildung

Der zweite Hauptgrund? Wer heute einen Ausbildungsweg der höheren Berufsbildung (höhere Fachschulen, eidgenössische Prüfungen) wählt, muss zwar sehr oft sehr tief (und viel tiefer als Studenten) ins Portemonnaie greifen, wird aber nur sehr selten mit Stipendien gestützt. Gerade mal 4 % all dieser Jugendlichen kriegen heute ein Stipendium. Dieses fällt je nach Kanton nur sehr mickrig aus. Die Initiative wird auch hier für Änderung sorgen. Und das hat Bedeutung auch für viele junge GewerkschafterInnen.

Die Stipendieninitiative ist eine Chance zur Chancengleichheit. Deshalb bejaht sie der SGB. Sie hilft vielen aus jener Schicht, die er vertritt. Und dies ganz konkret.

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Zuständig beim SGB

Laura Perret Ducommun

Stellvertretende Sekretariatsleiterin

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laura.perret(at)sgb.ch
Laura Perret
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