Sozialpartnerschaft – in der Berufsbildung nach wie vor prägend

  • Bildung & Jugend
Artikel
Verfasst durch Laura Perret Ducommun

Gemeinsame zukunftsweisende Bekenntnisse

Die Resultate des nationalen Spitzentreffens zur Berufsbildung, das am 18. April unter Leitung von Bundesrat Schneider-Ammann die Vertreter/innen des Bundes, der Kantone, der Politik und der Sozialpartner vereinigte, dürfen sich sehen lassen. In drei Bereichen wurde Wichtiges an- und weitergestossen. Was auch zeigt: in der Berufsbildung spielt die Sozialpartnerschaft. Wenigstens da noch...

Die Diskussionen waren dicht. Aber dann gelangten die Verbundpartner der Berufsbildung, also auch die Sozialpartner, zu konsensgeprägten Einigungen. Dies in drei wichtigen Themen: in der Entwicklung einer Vision der künftigen Berufsbildung, bei der mittelfristigen Finanzierung der Bildung und bei der Integration der Flüchtlinge. Der SGB war federführend beteiligt an diesen Diskussionen. Er wird sich auch künftig für ein effizientes Bildungssystem einsetzen, das die sozioprofessionelle Integration der Bevölkerung begünstigt.

Berufsbildung in Zukunft

Wie soll, wie wird die Berufsbildung im Jahr 2030 aussehen? Es war der wichtigste Anstoss des Spitzentreffens, dass die Partner beschlossen, sich ab sofort dieser Frage reflexiv zu stellen. Denn jetzt, 12 Jahre nach Inkraftsetzung des Berufsbildungsgesetzes, ist die Zeit gekommen, den Blick auf die künftigen Herausforderungen zu richten. Dazu gehören: Demografie, Migration, Mobilität, beruflicher Wandel, Digitalisierung, Industrie 4.0, Wandel der Arbeits- und Lebensweisen usw. Diese Frage gelangte auf die politische Agenda, weil der SGB und andere Dachorganisationen der Verbundpartner an früheren Tagungen darauf gedrängt hatten. Eine verbundpartnerschaftlich zusammengesetzte und mit Wissenschaftler/innen erweiterte Arbeitsgruppe wird diese ersten Schritte in die konzeptuelle Zukunft nun tun - und ihre Fragestellung auch auf Schnittstellen zu obligatorischer Schule, Hochschulen und Weiterbildung richten.

Der Berufsbildung genug Geld sichern

Erfreulich zum zweiten, dass sich die Anwesenden einstimmig für ausreichende Mittel einsetzten, die der Berufsbildung im Rahmen der Botschaft zur Finanzierung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI-Botschaft) gewährt werden sollen. Der Bundesrat hat diese Botschaft im Februar 2016 verabschiedet, das Parlament wird sich noch dieses Jahr darüber beugen. Zur Erinnerung: die BFI-Botschaft bestimmt die Ziele und die finanziellen Mittel des Bundes für Bildung, Forschung und Innovation für die Jahre 2017 bis 2020. Das Budget liegt in der Grössenordnung von 26 Milliarden Franken. Dies ist trotz der auf den ersten Blick hohen Summe beunruhigend. Denn aufgrund des Stabilisierungsprogrammes 2017 bis 2020 des Bundes sind Einsparungen von 555 Mio. Franken vorgesehen. Zudem liegt das Wachstum der Ausgaben tiefer als in der vorangehenden Periode: Es beträgt nur mehr 2 %, 2013 bis 2016 lag dieser Wert bei 3,7 %. Zum dritten kommt kantonales Sparen dazu. Der SGB hat deshalb vorgeschlagen, dass für die Umsetzung der BFI-Botschaft 2017 bis 2020 die nötigen Mittel gesprochen werden müssen. Die verbesserte Finanzierung der höheren Berufsbildung darf dabei nicht zu einer Vernachlässigung der beruflichen Grundbildung führen. Dieser Vorschlag wurde von allen anwesenden Organisationen unterstützt - ein starkes Signal somit an die Adresse des Parlamentes. Dieses hat bereits reagiert. Die zuständige Kommission des Nationalrates hat an ihrer Sitzung Mitte April beschlossen, die Pauschalbeiträge, welche der Bund für die Vorbereitungskurse auf die Prüfungen der höheren Berufsbildung den Kantonen entrichtet, um 286 Mio. Franken zu erhöhen.

Flüchtlinge besser integrieren

Besprochen wurden am Spitzentreffen zudem die Probleme der Flüchtlinge. Erfreuliches auch hier. Das Staatssekretariat für Migration will eine Flüchtlingslehre anstossen. Mit jährlich je 1000 solchen Lehrstellen für 2018 bis 2021 entspricht das Vorhaben jedoch nicht der Dringlichkeit der Lage. Der SGB schlug Massnahmen vor, um die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen zu beschleunigen. Die Verbundpartner werden diese Probleme unter Beteiligung der Migrationsbehörden angehen. Dazu sollen nicht neue Angebote geschaffen, sondern die bestehenden, allenfalls angepasst, genutzt werden.

Massnahmen für Nachholende

Bereits 2014 stand die berufliche Qualifizierung für Erwachsene im Zentrum des damaligen Treffens. Die entsprechenden Bemühungen sollen weitergehen. Geplant sind zwei Studien, welche die Bedürfnisse sowohl der Wirtschaft wie der betroffenen Personen analysieren sollen. Der SGB erachtet es als vordringlich, dass möglichst viele Erwachsene über einen Berufsbildungsabschluss verfügen. Er hat deshalb beim Treffen erneut entsprechende Massnahmen für alle gefordert, die einen solchen Abschluss nachholen wollen.

Zuständig beim SGB

Nicole Cornu

Zentralsekretärin

031 377 01 23

nicole.cornu(at)sgb.ch
Nicole Cornu
Top