In die Zukunft der Schweiz investieren - Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen

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Medienmitteilung
Verfasst durch Daniel Lampart, SGB-Chefökonom

Arbeitnehmende, die in einer Rezession die Stelle wechseln oder eine Stelle suchen müssen, sind einem besonders hohen Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt. Jugendliche und junge Erwachsene nach der Ausbildung befinden sich genau in dieser Situation. Wenn nichts dagegen unternommen wird, wird die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen stark ansteigen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB rechnet damit, dass ohne Gegenmassnahmen Ende 2009 rund 35'000 junge Erwachsene im Alter von 15 bis 24 Jahren als arbeitslos registriert sein werden – also fast doppelt so viele wie im März 2009 (22’128 Arbeitslose). 

Rezessionsverstärkende Politik erhöht Jugendarbeitslosigkeit

Bund, Kantone und Gemeinden werden 2010 eine rezessionsverstärkende Politik betreiben: Steigende Krankenkassenprämien, eine Erhöhung der CO2-Abgabe etc. kosten über 2 Mrd. Fr. Kaufkraft. Kantone und Gemeinden sind bei den Ausgaben auf einem Sparkurs. Wenn im 3. Konjunkturpaket keine Massnahmen gegen die rezessionsverstärkende Politik ergriffen werden, wird sich das Problem der Jugendarbeitslosigkeit weiter akzentuieren. 

LehrabgängerInnen weiter beschäftigen

Der SGB hat bereits zu Beginn des Jahres konkrete Massnahmen gegen die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen präsentiert (s. www.sgb.ch). Im Vordergrund steht dabei die Weiterbeschäftigung von LehrabgängerInnen im Betrieb. Die Jungen sind die Zukunft der Schweiz und der Schweizer Wirtschaft. Wenn die Firmen zu ihnen nicht Sorge tragen, verpassen sie es, in ihre eigene Zukunft zu investieren. Die Unternehmen haben in den letzten Jahren im Aufschwung gut verdient. Die Kassen in den meisten Firmen sind gut gefüllt, so dass sie in der Lage sind, ihren LehrabgängerInnen in der Krise eine Perspektive zu bieten und sie weiter zu beschäftigen.

LehrabgängerInnen, die nach der Lehre keine Stelle finden, sollen eine Zusatzausbildung machen können (z.B. im Bereich Fremdsprachen, Technik, Informatik). Solche Zusatzausbildungen sind aktiv zu fördern. Der Bund soll im dritten Konjunkturpaket Geld dafür einsetzen. 

Das Angebot an Praktikumsstellen muss ausgebaut werden. Allerdings dürfen keine bestehenden Arbeitsplätze durch Praktika verdrängt werden. Praktika müssen eine Ausbildungskomponente haben. Der SGB begrüsst einen Ausbau des Angebots bei den Praktikumsfirmen (vermehrt Angebote auch ausserhalb des kaufmännischen Bereichs). Die Dauer von Berufs- und Ausbildungspraktika sollte verlängert werden.

Drohendem Lehrstellenmangel entgegenwirken

Die Lehrstellensituation wird sich in nächster Zeit verschärfen. Damit Jugendliche nach der Schule eine Anschlusslösung haben, braucht es daher besondere Anstrengungen. 

Die Kantone müssen durch einen verstärkten Einsatz der Lehrstellenförderer zusätzliche Lehrstellen schaffen. Sie müssen Betriebe, die alleine keine vollwertige Lehre anbieten können, beim Aufbau von Lehrbetriebsverbünden helfen. 

Im Gesundheits- und Sozialwesen herrscht Mangel an qualifiziertem Betreuungspersonal. Indem hier rasch zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden, erhalten Jugendliche eine attraktive Perspektive und die Schweizer Bevölkerung eine Linderung des Personalmangels. 

Die Kantone müssen mit Hilfe des Bundes zusätzliche Berufsbildungsangebote schaffen. Wenn das Angebot an dualen Ausbildungsplätzen zu gering ist, bieten diese Lernorte eine gute Alternative.

Die Betreuung beim Übertritt von der Schule in die Lehre kann durch eine Berufsberatung sowie durch Mentoring- und Coachingprogramme verbessert werden. Die Kantone müssen genügend Übergangsmassnahmen wie Brückenangebote, Motivationssemester und Case-Management schaffen. 

Zuständig beim SGB

Laura Perret Ducommun

Stellvertretende Sekretariatsleiterin

031 377 01 23

laura.perret(at)sgb.ch
Laura Perret
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