Genf bietet Gratistest

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Verfasst durch Peter Sigerist

Jahrelang geisselte der SGB die masslose Verbreitung der kostenpflichtigen Eignungstests für die Lehrstellenbewerbung wie Multicheck und Basic-Check. Höhepunkt in dieser unappetitlichen Entwicklung ist das neuste Angebot der Test-Verkäufer von teuren Vorbereitungskursen (!) auf diese Tests. Die von den Schüler/innen bzw. ihren Erziehungsverantwortlichen zu berappenden Tests wurden seit der Lehrstellenkrise in den neunziger Jahre fast flächendeckend von den Lehrbetrieben als notwendige Bewerbungsunterlage verlangt.

Weil die Einführung von Bildungsstandards in allen kantonalen Volksschulen noch längere Zeit auf sich warten lässt, hat der Kanton Genf nun als erster vorbildlich gehandelt: Er bietet in der Cité des métiers et de la formation zum ersten Mal ab Herbst 2010 einen computergestützten Test für die Evaluation der Kenntnisse in Französisch und Mathematik am Ende der obligatorischen Schulzeit an. Und das gratis. Exemple à suivre!

 Attestausbildung ist sinnvoll – und verbesserungsfähig

Im Vorfeld der Einführung des Berufsbildungsgesetzes vom 1.1.2004 gab es – auch unter Gewerkschafter/innen – viele Diskussionen über die neue zweijährige berufliche Grundbildung mit einem eidgenössischen Attest-Abschluss (EBA), die die frühere einjährige und nur kantonal anerkannte Anlehre abzulösen hatte. Mittlerweilen liegen einige Evaluationen der EBA-Ausbildung vor. Die neuste Arbeit hat das „idheap“ in Lausanne im Auftrag des zuständigen Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) durchgeführt. Auch diese Bilanzierung bestätigt frühere Arbeiten und die Mehrheitsposition im Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB): Die Einführung der zweijährigen beruflichen Grundbildung hat die drei- bzw. vierjährigen Abschlüsse mit einem Eidg. Fähigkeitszeugnis (EFZ) nicht zurückgedrängt. Das Niveau der beruflichen Grundbildung ist damit insgesamt angehoben worden. Die vom Gesetzgeber anvisierte Zielgruppe für dieses neue Bildungsgefäss, die sozial Benachteiligten, konnte angesprochen werden.

Die vorgesehene Durchlässigkeit zwischen EBA und EFZ (im Anschluss an eine EBA-Ausbildung Eintritt in eine verkürzte EFZ-Grundbildung) funktioniert. Allerdings nehmen erst 20 Prozent der EBA-Ausgebildeten diese Möglichkeit wahr. Dieser Prozentsatz muss angehoben werden, gibt es doch erst mit dem EFZ strukturierte Anschlussmöglichkeiten in der höheren Berufsbildung.

Wirksam ist auch die vom Gesetzgeber auf Druck der Gewerkschaften eingeführte fachlich individuelle Begleitung (fiB) der Lernenden. Allerdings profitieren erst rund die Hälfte der Lernenden von diesem zielführenden Angebot. Die Kantone müssen hier dem gesetzgeberischen Auftrag gerecht werden, ebenso die Berufsfachschulen, die ihre Stütz- und Förderkurse so organisieren müssen, dass auch die EBA-Lernenden sich an diesen beteiligen können.

Einen Kontrapunkt setzen die Meldungen vom Arbeitsmarkt: EBA-Lernende haben auch mit dem erfolgreichen Attest-Abschluss auf dem Arbeitsmarkt zur Zeit grosse Mühe, eine adäquate Lohnarbeit zu finden. Hier braucht es weiterführende Anstrengungen, bestimmt aber keine Kürzungen der Bezugsdauer von Arbeitslosenunterstützung für Jugendliche.

Zuständig beim SGB

Laura Perret Ducommun

Stellvertretende Sekretariatsleiterin

031 377 01 23

laura.perret(at)sgb.ch
Laura Perret
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