Kranke Mitarbeiterin

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Gesundheitsprobleme breiten sich aus in der Arbeitswelt

  • Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
Medienmitteilung

Jetzt braucht es besseren Gesundheitsschutz

Die gesundheitsbedingten Absenzen der Arbeitnehmenden in der Schweiz bleiben auf einem alarmierend hohen Niveau. Die heute veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen: Arbeitnehmende fehlten 2025 durchschnittlich 8.2 Tage wegen Krankheit oder Unfall. 2010 waren es noch 6.3 Tage. Damit sind die Absenzen in den letzten 15 Jahren um fast ein Drittel angestiegen.

Besonders hoch sind die Absenzen weiterhin in Berufen mit tieferen Löhnen und hoher körperlicher oder organisatorischer Belastung. Gleichzeitig zeigt sich der Anstieg inzwischen nicht mehr nur in besonders belasteten Berufen: Besonders stark gestiegen sind die Absenzen in den letzten Jahren auch bei Techniker:innen, Büroberufen und im Gewerbe. Der Anstieg betrifft zudem nahezu alle Branchen. Das deutet auf ein strukturelles Problem der Arbeitsbedingungen hin, das sich zunehmend auf breite Teile der Arbeitswelt ausweitet.

Auffällig ist die Entwicklung nach Alter. Während die Absenzen bei älteren Arbeitnehmenden bereits seit längerer Zeit hoch sind, zeigt sich seit der Corona-Pandemie auch bei den 15- bis 24-Jährigen ein deutlicher Anstieg. Gesundheitliche Belastungen zeigen sich damit zunehmend sowohl am Ende als auch bereits am Anfang des Erwerbslebens.

Die Gründe für die steigenden Krankheitsausfälle sind vielfältig. Klar ist jedoch: Die Arbeitsbedingungen spielen eine zentrale Rolle. In keinem EU-Land arbeiten Vollzeitbeschäftigte länger als in der Schweiz. Gleichzeitig nehmen Arbeitsverdichtung und Flexibilitätsdruck seit Jahren zu. Verdichtete Arbeitsabläufe, chronischer Personalmangel, hoher Zeitdruck, unregelmässige Arbeitszeiten sowie psychosoziale Belastungen und ständige Erreichbarkeit gefährden die Gesundheit der Arbeitneh-menden zunehmend.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert die Arbeitgeber auf, ihrer Verantwortung stärker nachzukommen. Nötig sind die konsequente Einhaltung von Arbeits- und Ruhezeiten, verlässliche Dienstpläne, eine ausreichende Personalplanung sowie wirksame Massnahmen gegen übermässigen Zeit- und Leistungsdruck. Statt die Ursachen gesundheitlicher Belastungen anzugehen, reagieren viele Arbeitgeber heute mit mehr administrativem Druck auf die Beschäftigten – etwa durch verschärfte Kontrollmechanismen oder Arztzeugnisse ab dem ersten Krankheitstag. Das schafft Misstrauen, bekämpft aber nicht die Ursachen der Gesundheitsprobleme. Mehr administrativer Druck macht Arbeitnehmende nicht gesünder.

Die steigenden Absenzen zeigen zudem Defizite beim heutigen Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Bestehende Vorschriften genügen nicht, wenn ihre Umsetzung unzureichend bleibt. Heute fehlen vielerorts systematische Kontrollen, klare Vollzugsstandards und eine wirksame Koordination zwischen den zuständigen Stellen. Teilweise werden Betriebe nur alle 20 Jahre kontrolliert.

Der SGB fordert deshalb eine deutliche Verstärkung von Vollzug und Prävention. Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz – insbesondere psychosoziale und organisatorische Belastungen – müssen systematisch erfasst und wirksam bekämpft werden. Gleichzeitig müssen die Angriffe auf den Arbeitnehmerschutz gestoppt werden – insbesondere die Ausweitung der Sonntagsarbeit und die Verlängerung der möglichen Arbeitstage auf bis zu 17 Stunden.

Zuständig beim SGB

Gabriela Medici

Co-Sekretariatsleiterin

031 377 01 13

gabriela.medici(at)sgb.ch
Gabriela Medici
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