Wächst die US-Wirtschaft gar nicht stärker als die schweizerische, wenn die Wirtschaftsleistung besser gemessen wird?

Blog Daniel Lampart

Die US-Wirtschaft wächst stark – gemessen am Bruttoinlandprodukt. Damit wird Politik gemacht. Vor allem in Europa. Denn Europa scheint weniger zu prosperieren. Europa soll sich an den USA orientieren - mit weniger Regulierung bzw. weniger sozialer Sicherheit.

Länder sind immer schwierig zu vergleichen. Beispielsweise werden Schweizer Häuser in der Regel nach hohen Qualitätsstandards gebaut. Doch im internationalen Vergleichen wird das oft nicht berücksichtigt. Die Schweizer Baupreise sind wesentlich höher, ohne dass man in der Statistik sieht, dass die Qualität besser ist. 

In den Wirtschaftswissenschaften gibt es aber immer wieder Versuche, die Länderstatistiken qualitativ vergleichbarer zu machen. So z.B. in den Penn-World-Tables. Dazu kommt ein weiterer Faktor: Die US-Amerikaner:innen arbeiten ungefähr 250 Stunden mehr pro Jahr als die Schweizer:innen. Wenn man das BIP gemäss den Penn-World-Tables pro Stunde rechnet, so ergibt sich ein interessantes Bild. Die Schweiz schneidet am besten ab. Das BIP pro Stunde bzw. die Stundenproduktivität ist höher als in den USA oder in Deutschland. Deutschland und USA sind ungefähr gleich auf. 

In diesen Statistiken ist ein weiterer wichtiger Faktor nicht enthalten. Die Schweiz hat z.B. starker Marken. Diese haben jedoch keinen Einfluss auf das Bruttoinlandprodukt, obwohl sie in der wirtschaftlichen Realität eine grosse Rolle spielen. Ein Paradebeispiel ist die Uhrenmarke Rolex. Sonst wären die Zahlen noch höher. 
 

BIP pro Stunde in US-Dollar-Kaufkraftstandards; verkettete 2021-US-Dollars
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