SVP-Initiative: Krasses Experiment eines Bevölkerungsdeckels gefährdet die Schweizer Löhne

Blog Daniel Lampart

Die Beschränkung der Wohnbevölkerung auf eine fixe Zahl der SVP-Chaos-Initiative ist ein krasses Experiment, das noch kein anderes Land gemacht hat. Das Experiment im Falle der Schweiz ist besonders krass, da die Zahl der Menschen im Alter 65+ deutlich zunehmen wird. Wir werden die 10-Millionen-Grenze vor allem deshalb überschreiten, weil es mehr ältere Menschen im Land gibt. Wegen dem 10-Millionen-Plafonds müssen wir die Zahl der Berufstätigen senken. Ausgerechnet in einer Situation, in der wir wegen der Alterung eigentlich mehr Berufstätige bräuchten. Das ist wirtschaftlich und sozial ein Unsinn. 

Schweizer Bevölkerung: 65+ und 20-64-Jährige mit 10-Mio-Deckel

Es gibt Leute, die behaupten, dass diese Verknappung der Arbeitskräfte zu höheren Löhnen führen würde. In Wirklichkeit dürfte das Gegenteil geschehen. Warum?

Die SVP-Initiative führt wegen der Plafonierung zu einer Kündigung der Bilateralen und einem Alleingang der Schweiz in einer Welt mit Trump, China und Russland - in einer Welt, in der wir besonders auf Partner angewiesen sind. Für eine Exportnation wie die Schweiz ist das wirtschaftlich schlecht. Das ist eine Gefahr für Löhne und Arbeitsplätze. Es drohen Arbeitsplatzverlagerungen und weniger Investitionen. Mit den Bilateralen wird auch der Lohnschutz wegfallen. Die Flankierenden Massnahmen sind mit den Bilateralen rechtlich verknüpft. Der Wegfall der Flankierenden war übrigens immer ein Ziel der SVP. Ein Alleingang der Schweiz oder eine stärkere wirtschaftliche Abschottung führt auch zu höherer Inflation. Das hat auch der Brexit gezeigt. Mehr Inflation senkt die Kaufkraft. 

Wenn die Schweiz durch die 10-Millionen-Grenze die Zahl der Berufstätigen zu senken, führt das zu einer Verknappung der Arbeitskräfte. Theoretisch ist es so, eine solche Verknappung in gewissen Branchen zu einem Nominallohnauftrieb führt. Doch in einer arbeitsteiligen, international mobilen Wirtschaft ist das etwas komplizierter. Die Frage ist, wo die Arbeitskräfte fehlen. Heute können international mobile und hochproduktive Firmen Personal aus dem Ausland rekrutieren, wenn sie im Inland keine Leute finden. Mit dem 10-Millionen-Plafonds ist das nicht mehr so einfach möglich. Es muss zuerst jemand auswandern oder sterben, bevor jemand einwandern kann. Dann stellt sich die Frage, wohin diese Person aus dem Ausland in der Schweiz geht. Es ist wahrscheinlich, dass Firmen, die auch im Ausland produzieren können, die Schweiz verlassen, weil es ihnen zu kompliziert oder zu unberechenbar wird. Oder wenn sie die Leute gar nicht mehr finden. Die international mobilen Firmen zahlen in der Regel höhere Löhne als der Coiffeur oder der Bäcker. Es droht ein tieferes Schweizer Lohnniveau. 

Auf Podien zur SVP-Initiative flirten die Befürworter wieder mit dem Saisonniersstatut. Die Schweiz könne Leute aus dem Ausland holen, die nur zum Arbeiten und nur für kurze Zeit hier sind. Doch das ist nicht nur sozial ein Problem, sondern es ist auch wirtschaftlich ein Unsinn. Weil die Geburtenzahlen fast überall sinken, wird es künftig noch schwieriger sein, Leute zu prekären Aufenthaltsrechten ins Land zu holen. Es wird genügend Alternativen geben. Wer hierher kommt, will beispielsweise auch die Familie mitnehmen können. Wirtschaftlich ist das gar nicht machbar. Wie soll beispielsweise das Unispital Zürich oder das Inselspital in Bern noch funktionieren, wenn ein grosser Teil der Pflege oder der Ärzt:innen halbjährlich ausgewechselt wird? 

Top