Die SVP-Chaos-Initiative polarisiert. Nicht wenige Leute sind hin und her gerissen. «Wir können doch nicht immer weiterwachsen», heisst es da und dort. Diese Bemerkung ist stark geprägt von der Entwicklung der Baby-Boomer-Jahre mit ihrem starken Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Doch das hat sich geändert. Die Weltbevölkerung wächst zwar noch, aber deutlich schwächer als früher.
Sinkende Geburtenzahlen, tieferes Bevölkerungswachstum auf der Welt. Die Boomer-Wachstumsphase scheint zu Ende zu gehen

Seit knapp 10 Jahren werden auf der ganzen Welt weniger Kinder geboren. Mitte des letzten Jahrzehntes waren es 145 Millionen pro Jahr. Heute sind es noch etwas mehr als 130 Millionen.
Anzahl Geburten auf der Welt (in Mio. pro Jahr)

Die sinkenden Geburtenzahlen sind insbesondere ein Phänomen der reicheren Länder der Nordens sowie Chinas. In Schweden nahmen die Geburten von 2019 bis 2023 um 14 Prozent ab. In Frankreich betrug der Rückgang 10 Prozent, in Deutschland 8 Prozent. Mehr Geburten gibt es in Niger, Jemen oder Mali mit einem Geburtenwachstum von 10 Prozent. Das sind Länder mit einer höheren Säuglingssterblichkeit und einer tieferen Lebenserwartung – oft in Afrika. Vergleicht man alle Länder auf der Welt, so zeigt es sich: In zwei Dritteln der Länder nehmen die Geburten ab. Nur ein Drittel – vor allem ärmere Länder – verzeichnet eine Zunahme.
In der Schweiz dürfte in Zukunft vor allem die Zahl der Personen im Alter 65+ steigen. Unter anderem weil dann alle Baby-Boomer pensioniert sind. Gemäss den Bevölkerungsszenarien werden bis 2075 rund 60 Prozent mehr Personen im Alter 65+ in der Schweiz leben. Bei den jüngeren, den 20-64-Jährigen, ist der Bevölkerungsanstieg hingegen bescheiden. Wenn die Schweiz – wie von der SVP-Initiative verlangt – einen 10-Millionen-Deckel einführt, so geht das zulasten der Jungen. Denn wer in die Schweiz einwandert, ist im Durchschnitt 30 Jahre alt. Der 10-Millionen-Deckel würde dazu führen, dass es 13 Prozent weniger 20-64-Jährige gibt als im Szenario des Bundes – ausgerechnet in einer Phase demografischer Alterung. Dass das zu wirtschaftlichen und sozialpolitischen Problemen führen wird, liegt auf der Hand.
Bevölkerungsentwicklung nach Altersgruppe (2025=100, gemäss BFS-Szenario, Berechnungen SGB)
