Weltweit gibt es weniger Kinder. Die Geburtenraten sinken – ausser in den armen Ländern. Die Arbeitgeber malen deshalb dunkle Zukunftsszenarien: Arbeitskräfte würden fehlen, was Wohlstand kosten und zu grossen Defiziten in der Altersvorsorge führen würde. Deshalb müsse auch die Schweiz das Rentenalter erhöhen.
Ein Forschungsteam um die renommieren Ökonomen Daron Acemoglu und David Autor sieht das viel entspannter. Sie haben anhand von Wirtschafts- und Bevölkerungszahlen fast aller Länder untersucht, wie sich tiefere Geburtenraten wirtschaftlich auswirken. Ihr Fazit: Tiefere Geburtenraten führen dazu, dass die Produktivität steigt – also dass pro Erwerbstätige mehr produziert wird. Das Bruttoinlandprodukt – die Produktion insgesamt – ändert sich hingegen nicht oder kaum. Warum das?
Wenn es weniger jüngere Arbeitskräfte gibt, investieren die Firmen mehr in Maschinen oder Technologien. Das erhöht die Produktivität. Weniger Arbeitskräfte werden durch Investitionen kompensiert. Das Forschungsteam hat auch andere Zusammenhänge untersucht, dabei aber keine bedeutende Evidenz gefunden. Wegen der tieferen Geburtenraten steigt weder der Bildungsstand der Berufstätigen in bedeutender Art und Weise, noch stellten sie fest, dass die Frauen deshalb merklich höhere Arbeitspensen hatten.
Natürlich beruht diese Studie auf Zusammenhängen aus der Vergangenheit und kann nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden. Es ist aber plausibel, dass die Firmen auch in Zukunft automatisieren, wenn es weniger Erwerbspersonen gibt.
Für die AHV bedeutet das: Wenn es wegen der demografischen Alterung mehr Ausgaben gibt, können wir auch mit mehr Einnahmen rechnen. Schön wäre es natürlich, wenn wir damit auch gleich die 13. AHV finanzieren könnten. Doch so einfach ist es nicht. Eine 13. AHV-Rente führt zu 8.33 Prozent höheren Ausgaben. Gleichzeitig geht die demografische Alterung weiter. Während die Produktivität die Alterung finanziert, braucht es zumindest für einen Teil der 13. AHV eine Zusatzfinanzierung. Ein Ja zur Mehrwertsteuer-Erhöhung von 8.1 auf 8.5 Prozent am 29. November 2026 ist wichtig.