Studien entlarven Sozialabbau-Logik der Arbeitgeber: Höheres Rentenalter fordern, aber keine ältere Arbeitnehmende engagieren

Blog Daniel Lampart

Letztes Jahr wurde der Vorschlag der (Jung-)Freisinnigen und der Arbeitgeber, das Rentenalter sukzessive auf 67 Jahre anzuheben, mit 74.7 Prozent Nein deutlicher abgelehnt als jede Juso-Initiative. Trotz diesem glasklaren Volksentscheid hält der Arbeitgeberverband an seiner Position fest, dass das Rentenalter in Richtung 67 Jahre erhöht werden muss

In der Realität ist es für viele Arbeitnehmende nach wie vor schwierig, überhaupt bis 65 einigermassen würdig zu arbeiten. Die Arbeitslosenquote der 60+ ist deutlich höher als der Durchschnitt. 

Arbeitslosenquote: Total und 60-64-Jährige

Ein grosser Teil der Arbeitgeber stellt keine oder kaum ältere Arbeitnehmende ein. Das zeigt auch eine aktuelle Studie des Lebensversicherers Swisslife, wo übrigens Arbeitgeberpräsident Moser im Verwaltungsrat sitzt. Hier ein paar Schlussfolgerungen daraus: 

  • 46% der befragten Arbeitgeber finden ein Pensionierungsalter unter 65 für ihre Firma ideal. Nur 15% sprechen sich für ein Pensionierungsalter von 66 oder mehr aus. Für Frauen finden sogar 58% der Arbeitgeber, dass das ideale Pensionierungsalter unter 65 liegt.
  • Nur 40% der Arbeitgeber sind grundsätzlich bereit, Personen ab 55 neu einzustellen, weitere 38% können es sich «eher» vorstellen. Die Studie geht davon aus, dass die Realität für die 55+ einiges düsterer aussieht. 

Die Stellensuche ist für die älteren Arbeitnehmenden noch schwieriger geworden. Zu diesem Schluss kommt sogar Outplacement-Spezialist von Rundstedt in seinem «Arbeitsmarkt-Barometer». Ü50 haben grössere Mühe eine Stelle zu finden. Sie müssen bei Stellenwechseln zudem häufig Lohneinbussen in Kauf nehmen – im Mittel verdienen sie bei der neuen Stelle 14% weniger. Immer mehr ältere Arbeitnehmer landen am Schluss ihrer Berufslaufbahn unfreiwillig in einem Temporärjob. 

Die Rentenalter-Politik der Arbeitgeberpolitik ist völlig unglaubwürdig. Sie fordern ein höheres Rentenalter, obwohl sehr viele nicht einmal bereit sind Ü55 einzustellen. Klar ist: Die Arbeitgeber müssen zuerst in ihren eigenen Reihen dafür sorgen, dass die Firmen ältere Arbeitnehmende nicht diskriminieren, sondern sie gleichermassen einstellen wie jüngere. Die Arbeitgeber-Forderung nach einem höheren Rentenalter ist purer Sozialabbau, wenn die Arbeitnehmenden nicht einmal sicher sind, ob sie bis zum heutigen Rentenalter 65 arbeiten können. 

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