Pensionskassen müssen in der Lage sein, ihre Leistungen zu erbringen. Das Gesetz ist klar und streng: sie müssen «jederzeit Sicherheit dafür bieten, dass sie die übernommenen Verpflichtungen erfüllen können» (Art. 65 BVG). Sie brauchen daher eine gewisse Mindestliquidität und ein Mindestvermögen. Vorübergehende Anlageverluste sind nur zulässig, wenn die Pensionskassen dennoch ihre Leistungen termingerecht zahlen können. Sonst müssen versicherten Arbeitgeber und Arbeitnehmer:innen höhere Beiträge zahlen, um die Verluste zu kompensieren.
Das klingt einfach und logisch. In der Realität ist es komplizierter. Was ist, wenn der Arbeitgeber in eine Krise gerät und Stellen abbauen oder sogar schliessen muss? Oder was ist, wenn bei einer Sammeleinrichtung plötzlich viele versicherte Firmen abspringen und ihre Vorsorgelösungen zu einer anderen Einrichtung verschieben? Zwar gibt es den Sicherheitsfonds, der die gesetzlichen Leistungen von zahlungsunfähig gewordenen Kassen finanziert. Doch diese sind in der Regel geringer als die tatsächlichen Leistungen der Kassen. Zudem wäre es problematisch, wenn die defensiveren Kassen plötzlich Kassen unterstützen müssten, die zu hohe Risiken eingegangen sind.
In Ländern wie Dänemark fahren die grossen Pensionskassen höhere Aktienanteile. Das ist nur möglich, weil die Kassen Anlagerisiken auf die versicherten Arbeitnehmenden und Rentner:innen verschieben. Das bedeutet, dass die Renten nach schlechten Aktienjahren plötzlich sinken können. Oder dass die Verzinsung der Altersguthaben stark negativ wird. In der Schweiz müsste man dafür das Gesetz ändern. Politisch wäre das chancenlos. Die Schweizer Bevölkerung lehnt solche Wackelrenten ab.
Hohe oder sehr hohe Aktienanteile können Pensionskassen in schwierige Situationen bringen. Momentan sind die Aktien sehr hoch bewertet – das gilt noch stärker für Aktien, welche von den Marktteilnehmenden mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht werden. Darum haben verschiedene Kassen in Bezug auf Aktien eine zurückhaltendere Politik eingeschlagen.