In der Zürcher Presselandschaft ist gerade viel los. Bei der NZZ herrscht mit der Wahl des neuen Chefredaktors Aufbruchsstimmung. Der Plan, zur deutschen Weltwoche zu werden, wird zumindest ausgebremst. Auf der anderen Seite der Limmat – beim Tagesanzeiger – dominieren Orientierungslosigkeit und Ungewissheit. Im Oktober 2026 hat die Geschäftsführung zum wiederholten Mal einen Abbau von Journalist:innen-Stellen und Entlassungen angekündigt. Wie es mit dem Tagesanzeiger journalistisch weiter- bzw. aufwärts gehen soll, ist unklar. Viele der Journalist:innen äussern sich sehr kritisch gegenüber der Führung. Hinter den Entlassungen gäbe es keine nachvollziehbare publizistische Strategie. Liegt das auch an der Geschäftsführer:in, die gemäss ihrem Profil keinen echten journalistischen Hintergrund hat, sondern eher aus dem digitalen Marketing kommt?
Mit ihrer Situation sind die Journalist:innen beim Tagesanzeiger leider nicht alleine. Viele Arbeitnehmende beklagen sich über ihre Chefs, die immer wieder Reorgansationen durchziehen, welche die Arbeit sogar umständlicher machen und für die Betroffenen nicht nachvollziehbar sind. Oft ist der Chef ein Manager, der von einer anderen Branche kommt und von der Arbeit im Betrieb wenig versteht. Dafür hat er eine teure Management-Ausbildung an einer Universität gemacht. Ein Busfahrer, der nach einem Unfall die Stelle verlor, beklagte sich einmal bei mir: «Früher, als der städtische Busbetrieb von einem Direktor geführt wurde, der vom Busfahren etwas verstanden hat, wäre das nie passiert».
Sind Vorgesetzte mit Branchenhintergrund die besseren Chefs? Dazu gibt es wissenschaftliche Literatur. Die Resultate weisen in dieselbe Richtung wie die Wahrnehmung der betroffenen Arbeitnehmenden. Branchenfremde Chefs sind weniger gut als solche, die das Metier kennen. Zumindest in Branchen und Berufen mit Expertenorganisationen. Also dort, wo es auf besonderes Wissen und besondere Fähigkeiten ankommt. Chefs mit Branchenerfahrung erzielen tendenziell bessere Unternehmensergebnisse. Auch in Bezug auf Innovationen scheinen sie besser abzuschneiden. «Die Industrieerfahrung des Topmanagers ist mithin eine wichtige Determinante unternehmerischer Innovationstätigkeit».
In der Headhunter-Branche geht der Trend offenbar wieder mehr in die Richtung, dass Geschäftsführer:innen mit Branchenerfahrung eingestellt werden. Zumindest ist es das, was man aus der Branche hört. Das wären gute Nachrichten für die Arbeitnehmenden – aber auch für die Wirtschaft.