Höhere Teuerung auf der Welt durch wirtschaftliche Abschottung: Keine Fehler durch restriktive Geldpolitik in der Schweiz

Blog Daniel Lampart

Seit einiger Zeit ziehen die Wirtschaftsmächte wieder Handelshürden hoch – allen voran die USA mit ihrer Zollpolitik. Diese wirtschaftliche Abschottung verursacht höhere Inflation. Weil die Handelsschranken die Einfuhr von Produkten aus dem Ausland verteuern. Beim Brexit hat das gemäss Schätzungen beispielsweis zu 5 Prozent höheren Preisen geführt. Dazu kommt die neue Geopolitik mit den kriegerischen Aggressionen und Konflikten, welche die Teuerung zusätzlich anfacht.

Das kriegt auch die Schweiz zu spüren. Für die Nationalbank SNB stellt sich die Frage: Soll sie diese importierte Teuerung bekämpfen oder sie zulassen? Bisher war es meistens so, dass die SNB höhere Ölpreise hingenommen hat, ohne die Zinsen zu erhöhen. Doch nun ist die abschottungsbedingte Teuerung breiter, weil sie mehr Produktegruppen betrifft. 

Wenn die SNB wegen der höheren Importteuerung die Zinsen erhöhen und damit den Franken aufwerten liesse, so schadet das der heimischen Wirtschaft – zusätzlich zu den höheren Kosten für die Firmen, die durch die steigenden Importpreise entstehen. Die Geldpolitik würde dadurch zu restriktiv. In dieser Situation muss deshalb das Ziel der Preisstabilität angemessen ausgelegt werden. Oder die SNB muss die geldpolitische Strategie explizit so formulieren, dass die Abschottungs- und Kriegsteuerung nicht mitgerechnet wird. 

Im Vergleich zu anderen Ländern hat die Schweiz mehr Preisregulierungen. Die Strom-, Bahn- und Postmärkte sind stärker reguliert als in der EU oder in den USA. Dazu kommt die Landwirtschaftspolitik, welche verhindert, dass sich höhere Weltmarktpreise bei den Nahrungsmitteln schnell im Schweizer Warenkorb niederschlagen. Diese Faktoren haben auch dazu geführt, dass die Teuerung in der Schweiz nach der Covid-Krise bzw. bei Ausbruch des Ukraine-Kriegs tiefer war als im Ausland

Eine weitere Aufwertung des Frankens wäre ein ernsthaftes Problem. Die bisherige Aufwertung seit 2010 in der Schweizer Industrie bereits spürbare Marktanteile gekostet. Die Firmen haben Produktion ins Ausland ausgelagert. Vergleicht man die deutsche Industrieproduktion mit der schweizerischen, so zeigt sich ein aufwertungsbedingter Rückstand von 10 Prozent. Die Statistiken zu den Arbeitsplätzen in der MEM-Industrie weisen klar darauf hin, dass die Schweizer im Ausland investiert und in der Schweiz abgebaut haben. 

Realer Frankenkurs und Produktionsrückstand gegenüber Deutschland in der Maschinenindustrie
Beschäftigung der Schweizer MEM-Firmen im In- und Ausland
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