Gymi-Stress in Zürich: Die Lehre muss aufgewertet werden, sonst verliert sie weiter

Blog Daniel Lampart

Eine andere, einfachere, aber wohl richtige Gleichung ist:

Gymiprüfung = Stress

Es fällt auf, wie viele Eltern in Zürich unbedingt wollen, dass ihr Kind ins Gymnasium geht. Über die Beweggründe spricht man nicht gerne. Aber es ist klar: Der Stress rund um die Gymi-Prüfung hat damit zu tun, dass viele Eltern die Lehre als etwas Minderwertigeres betrachten. 

Dies spiegelt sich auch in den neuen Statistiken des BFS. Vor knapp 25 Jahren waren im Kanton Zürich fünfmal mehr junge Erwachsene in der Lehre als im Gymnasium. Letztes Jahr waren es noch 3.8. 

Lernende im Verhältnis zu zu Gymnasiast:innen

Selbst wenn man die Ausbildung der Berufsmaturität dazu nimmt, zeigt sich kein wesentlich anders Bild. Die Berufsmaturität hat den Bedeutungsverlust nur etwas verzögert.

Lernende (inkl. Berufsmaturität) im Verhältnis zu Gymnasiast:innen

Ist diese Entwicklung gut oder schlecht? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Fakt ist jedenfalls, dass die Lehre immer weniger der viel gerühmte Königsweg ins Berufsleben ist. Man kann sagen, dass es heute in der Wirtschaft mehr Studierte braucht als früher. Doch dafür muss man nicht zwingend ins Gymnasium, sondern man kann auch über die Berufsmaturität eine Hochschulausbildung machen. 

Der geringere Bedeutung der Lehre ist bei den jungen Frauen besonders ausgeprägt. Heute geht im Kanton Zürich fast eine von drei jungen Frauen ins Gymnasium. Das hängt auch mit den weniger attraktiven Berufslehren für Frauen zusammen. 

Kanton ZH: Lernende (inkl. Berufsmaturität) im Verhältnis zum Gymnasiast:innen

Die Frauenberufe mit Lehre sind viel schlechter bezahlt. Fast die Hälfte der Frauen (44 Prozent) mit einer abgeschlossenen Lehre verdient weniger 5000 Franken pro Monat (Vollzeitlohn, x13). Konkret heisst das: Pharmassistentinnen, Betreuerinnen, Coiffeusen oder Verkäuferinnen haben trotz Lehre einen Lohn, von dem man kaum leben kann. 

Die Lehre ist eine gute Sache. Auch weil viele junge Menschen endlich mal zeigen können, was sie in ihnen steckt, nachdem die Schulzimmeratmosphäre ihren Fähigkeiten nicht voll entsprochen hat. Mit der Berufsmaturität ist der Übergang in die Hochschulwelt möglich. Der weitere Weg an die Uni kann aber immer noch sehr steinig werden. 

Die Lehre muss aber dringend attraktiver gemacht werden. Wer eine Berufsausbildung gemacht hat, muss davon leben können. Ein Lohn von 5000 Franken für eine Vollzeitstelle ist das Minimum. Zudem braucht es bessere Bedingungen während der Lehre. Mehr Ferien sind eines der Hauptbedürfnisse von jungen Menschen. Im Gymi ist das besser. 

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