Erpresserische Schweizer Pharma-Industrie: Mit einer besseren Wechselkurspolitik wäre die Schweiz besser aufgestellt

Blog Daniel Lampart

Trotz der Unberechenbarkeit und der Irrationalität der neuen US-Wirtschaftspolitik blieb der Franken-Euro-Wechselkurs im letzten Jahr relativ ruhig. Er schien sich bei einem Wert im Bereich von 93 Rappen zu stabilisieren. Damit wäre er zwar immer noch deutlich überbewertet. Aber immerhin schienen die zeitweise wilden Aufwertungsbewegungen gestoppt. Die Nationalbank hat diese Chance leider verpasst, den Franken zu stabilisieren. Anstatt dass sie klare Signale aussendete, dass die stabile Entwicklung erwünscht und eher eine Abwertung angezeigt sei, hat sie geschwiegen. Und zusätzlich verkündet, dass Negativzinsen nicht mehr zum normalen Werkzeugkasten der SNB gehören, sondern zum Notfallset. Das hat sich in den letzten Tagen gerächt. Der Franken hat sich wieder aufgewertet. 

Die starke Aufwertung seit 2010 hat in der Schweizer Wirtschaft sichtbare Spuren hinterlassen. Die Exporte der Maschinenindustrie sind nach wie vor tiefer als vor über 15 Jahren. Einzig die Chemie-Pharma hat sichtbar zugelegt.

Nominelle Exporte der Schweizer Branchen

Der Pharmaanteil an den Exporten beträgt heute über 50 Prozent. Die Pharma-Chefs mit ihren zweistelligen Millionensalären wissen das natürlich. Sie nutzen es, der Schweizer Wirtschaftspolitik mit Drohkulissen Angst einzujagen. Die Schweiz müsse mehr für die Pharma tun, sonst könnte sie abwandern. Die Medikamentenpreise müssten steigen. Gleichzeitig will die Branche weniger Steuern oder Subventionen.

Hätte die Schweiz eine klügere Wechselkurspolitik gemacht, wäre es wohl nicht so weit gekommen. Die SNB hat 2010 mit geldpolitischen Fehlern eine steile Aufwertungsbewegung mitverursacht. Abgesehen vom Mindestkurs von September 2011 bis Januar 2015 hat sie sich dem Aufwertungstrend nicht entschieden genug entgegen gestellt. In der Maschinen-, Metall- und Elektroindustrie alleine sind fast 30'000 Stellen verloren gegangen bzw. ins Ausland verlagert worden.

Die Schweiz braucht eine Geldpolitik im Allgemeininteresse des Landes. So steht es in der Verfassung. Eine fortwährende, teilweise unkontrollierte Aufwertung des Frankens entspricht sicher nicht diesem Ziel. 

 

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