Journalist:in ist eine anspruchsvolle Arbeit. Themen wechseln täglich. Die Artikel müssen dennoch relevant und korrekt sein. Das erfordert grosse generalistische Fähigkeiten. Das Genre des Faktenchecks ist demgegenüber journalistisches Glatteis. Das zeigt sich in einem «Faktencheck» im Tagesanzeiger zur Lohnfrage, der ziemlich Arbeitgeber-Schlagseite hat. Der «Faktencheck» wurde durchgeführt, weil der SGB heute seinen Verteilungsbericht publiziert hat.
Ein Faktencheck soll überprüfen, ob präsentierte Fakten korrekt sind. Der vorliegende Tagesanzeiger-Faktencheck bewertet hingegen weniger die vorliegenden Fakten. Sondern er gibt positive Noten bzw. Punkte, wenn man internationale Lohnvergleiche macht oder die Lohnquote (Anteil Löhne am BIP) publiziert. Wie das die Arbeitgeber im Unterschied zu den Gewerkschaften gemacht haben. Mit einer Überprüfung von Fakten hat das jedoch nichts zu tun.
Selbst die Überprüfung der Fakten ist mangelhaft. Die Arbeitgeber behaupten gemäss Tagesanzeiger, dass die Schweiz von 2010 bis 2022 europaweit das höchste Lohnwachstum gehabt hätte. Neuere Zahlen haben sie nicht. Der Tagi behauptet, dass dies auch in den Jahren bis 2026 Bestand gehabt hätte. Interessanterweise ist heute der OECD-Employment-Outlook erschienen. Dieser zeigt, dass die Löhne in der Schweiz im OECD-Vergleich von 2021 bis 2026 schlecht abschnitten.
