Fieberkurve bei den Pensionskasse steigt: Banken und FDP blockieren Reform mit dem hohlen Argument der "Systemfremdheit" - zum Schutz ihrer Klientel und ihrer Einnahmen

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Blog Daniel Lampart

Die Fieberkurve der Pensionskassen steigt. Es gibt immer weniger Rente fürs Geld. Das zeigen die heute veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Zwischen 2014 und 2018 sind die Altersrenten im Mittel um fast 3 Prozent gesunken. Obwohl die berufstätigen Aktiven einerseits deutlich mehr einzahlen; so ist der Durchschnittsbeitrag um fast 5 Prozent gestiegen (reglementarische Beiträge). Und obwohl die Pensionskassen mehr riskantere und illiquidere Anlagen tätigten (Private Equity, Immobilien u.a.).

Pensionskassenbeiträge und Altersrenten pro VersicherteN (2014=100)

Angesichts der sehr tiefen Zinsen ist diese Entwicklung nicht überraschend. Die stark steigenden Aktienkurse führten 2019 zwar zu enormen Buchgewinnen. Doch die Realität ist eigentlich, dass man mit relativ sicheren, langfristigen Anlagen eigentlich sogar Geld verliert. Denn die Zinsen auf Bundesobligationen sind auch auf Laufzeiten von über 30 Jahren negativ.

In einer solchen Situation ist es ökonomisch sinnvoll, die Renten verstärkt direkt aus den Lohnbeiträgen zu zahlen und nicht den riskanteren, verlustbringenden Umweg über die Börse zu wählen. Der Sozialpartnerkompromiss zur Revision der 2. Säule ist diesbezüglich innovativ. Er führt eine sogenannte Umlagekomponente ein. Neu soll über 0.5 Lohnprozente ein Rentenzusatz finanziert werden. Dieser wird Pro-Kopf ausbezahlt und beträgt zunächst 200 Fr. pro Monat, später dann 100 Fr./Monat. Finanziert wird er stark aus den höheren Löhnen, denn zahlen müssen alle bis zu einem Jahreslohn von rund 850‘000 Fr.

Dass diese ökonomisch überzeugende Idee von Hochlohnbranchen Banken und Pharma, ihren Pensionskassen und der FDP angegriffen wird, ist nicht überraschend. Denn sie ist sozial. Ihr Gegenargument ist aber ein hilfloses Ablenkungsmanöver - um ihre Klientel und ihre Gewinne zu schützen: Die Umlagekomponente sei „systemfremd“. Die Geschichte zeigt aber, dass Systeme wenn nötig rasch angepasst werden können und müssen. So dass die Systeme der Bevölkerung dienen und nicht umgekehrt. Denn Reformen der Altersvorsorge können nur gelingen, wenn sie der Bevölkerung nützen. In direkten Demokratien sowieso. Da ist die Umlagekomponente für tiefe und mittlere Einkommen überzeugend.

Zuständig beim SGB

Gabriela Medici

Zentralsekretärin

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Gabriela Medici
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